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Celle Ortsteile Haus der Harmonie und Liebe
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Haus der Harmonie und Liebe
14:24 31.03.2017
Celle

Seit dem Sommer vergangenen Jahres ist Susanne Bade dabei, den Komplex, das aus Haupthaus, Seitenflügel und hinterem Teil sowie dem geräumigen Innenhof besteht, sanieren zu lassen. „Ich gehe davon aus, dass die Arbeiten noch bis zum kommenden Herbst dauern werden“, sagt die Juwelierin, die weiterhin in dem Haus arbeitet und das Ladenlokal geöffnet hält.

Sie ist mit diesem Haus ganz eng verbunden, denn sie ist darin groß geworden. „Ich hatte im zweiten Stock zum Großen Plan hin mein Zimmer. Meine Schwester war daneben. Das Spielzimmer war für uns beide.“

1697/98 ist das Haus gebaut worden, ihre Familie hat es 1903 für 30.000 Goldmark gekauft. „Das war damals schon viel Geld“, würdigt sie die finanzielle Leistung ihrer Vorfahren. Es seien kontinuierlich Umbauten vorgenommen worden. So seien die historischen Jugendstilscheiben in der Eingangstür im frühen 20. Jahrhundert eingesetzt worden und das klassizistische Oberlicht später. „Die Spuren der Generationen sind überall im Hause zu sehen“, unterstreicht Bade nicht ohne Stolz. So seien auch die kreativ-künstlerischen Neigungen der Hausherren spürbar.

Interessant ist, dass der eine Flügel der Doppelflügeltür fest gesichert ist. „Der wird nur geöffnet, wenn ein Sarg herausgebracht werden muss“, betont Bade die Tradition, die im Hause gepflegt wird. „Das was wir haben, muss erhalten bleiben.“

Das gilt auch für die Rötel-Malereien von Erich Klahn im Bereich der Werkstatt: An drei der vier Wände hat der Künstler verschiedene religiöse Motive rund um das Thema Gold – immerhin handelt es sich schon seit Generationen um eine Goldschmiede – gemalt. Vom Tanz um das goldene Kalb bis zum Heiligen der Goldschmiede, Sankt Eligius. „Die Werkstatt war hier schon immer“, sagt Susanne Bade und stellt fest: „Hier wird gearbeitet und Geld verdient.“ Deshalb dürfe der Betrieb auch nicht unter den laufenden Sanierungsarbeiten leiden.

In der Nordwest-Ecke des Innenhofes wurde 1916 von ihren Großeltern anlässlich der Geburt ihres Vaters ein Ahornbaum gepflanzt, deutet Susanne Bade auf den schlanken Stamm mit der lichten, sich zum Himmel reckenden Krone. Zu zwei Seiten ist der Stamm mit festen Drahtseilen fachmännisch am Fachwerk befestigt worden, denn gelegentlich berührten Stamm und Krone die Gauben des Hauses. „Ich sehe es als Verpflichtung an, das Haus in bestmöglichem Zustand an die nächste Generation weiter zu geben“, sagt Susanne Bade. Manchmal sei das eine Belastung, dieser Gedanke weiche dann aber schnell wieder, stellt sie fest, wenn sie sagt: „Das war und ist ein Haus der Harmonie und Liebe. Es ist unsere Heimat, unser Familienhaus. Und das wollen wir als unser Stammhaus erhalten.“

Deshalb pflegt Susanne Bade auch ihr Denkmal am Großen Plan. Kalkputz an Decken und Wänden wurde abgekratzt und entsorgt. Lockerer Lehmputz wurde entfernt, getrennt und zur erneuten Verarbeitung separat gelagert. Darum liegen in vielen Räumen die großen Lehmputzberge und warten auf ihre Wiederverarbeitung zu einer winddichten Kernstruktur an den Wänden.

Schadhafte Hölzer werden ausgebaut. Dazu werden die Balken gesund geschnitten und durch neue Hölzer ergänzt. „Das sind echte Arbeiten für einen Restaurator und Lehmbauer“, sagt der Zimmerer, der sich in Lehmbauseminaren fortgebildet hat: „Man muss ein Liebhaber des Objektes sein und es auch mögen. Ich freue mich immer, wenn ich sowas machen kann.“

Denn den vorhandenen Lehmputz möchte er weiterhin nutzen und mit vergleichbarem Baustoff ergänzen. Bei seinen Recherchen nach dem richtigen Baustoff stieß er auf Cellco, der von einem Celler Hersteller produziert wird und der individuelle Lösungen für jedes Gebäude ermöglicht.

Gerade bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern sei eine energetische Instandsetzung durch Bestandsschutz erschwert, denn eine Wärmedämmung von außen schließt sich aus. Die Kapillar-Dämm-Systeme für die Wärmedämmung von innen wurden speziell auf die Vielfalt im historischen Gebäudebestand abgestimmt.

Und wieder nimmt Matthias Kiemann einen rund 25 Kilogramm schweren Sparrenfuß und passt ihn milllimetergenau ein. Es geht schon wieder aufwärts.

Die Altstadt wurde 2010 in das Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen mit dem Ziel, das Celler Erbe als historische Fachwerkstadt mit seiner baulichen und strukturellen Eigenart zu erhalten und gleichzeitig zukunftsweisend weiter zu entwickeln. Einen Schwerpunkt im Sinne einer attraktiven und belebten Altstadt stellen die Erhaltung, die Wiederherstellung und der Ausbau von Wohnraum, insbesondere das barrierefreie Wohnen, dar. Denn die Altstadt soll keinesfalls zu einem reinen Museum werden, sondern sich zu einem lebendigen Ort entwickeln, der auch unter kommenden Bedingungen für Wohnen, Arbeit, Handel, Kultur und Freizeit gleichermaßen attraktiv ist.

Eigentümer von Gebäuden und Grundstücken im Sanierungsgebiet „Altstadt“ können während des Förderzeitraums – also bis voraussichtlich 2020 – Zuschüsse für Modernisierungen beantragen. Wenn die geplanten Baumaßnahmen im Einklang mit den Sanierungszielen und den Leitlinien der künftigen Entwicklung stehen, stellen die Zuschüsse und Steuererleichterungen einen guten Anreiz für die Eigentümer dar, in die Zukunft der Altstadt zu investieren.

Von Lothar H. Bluhm