Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Helmi Thies aus Eschede hätte sein Tourenrad beinahe verloren
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Helmi Thies aus Eschede hätte sein Tourenrad beinahe verloren
10:23 15.12.2017
Für 75 Mark hat Helmi Thies sein Wanderer-Tourenrad im Jahr 1953 gekauft. Lampe und Klingel sind noch original. Auf dem Gut Habighorst traf der naturverbundene Escheder als Jugendlicher (links, kleines Foto) auf Viktoria Luise von Preußen (Mitte). Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Eschede

Fehlanzeige: Das Rad war weg. Gestohlen. Das war Anfang der 2000er Jahre. „Irgendwie hatte ich so eine Ahnung, dass das Rad irgendwann im Graben wieder auftaucht“, schildert Thies seine damalige Vermutung.

Und tatsächlich: Nach vier Monaten hat sein Freund Werner Dralle das Rad in einem Straßengraben entdeckt und ihm das Rad vor die Tür gestellt: „Werner hatte den Fahrradlenker zwischen Endeholz und Kragen aus dem Graben ragen sehen und das Rad aus dem Wasser gezogen.“ War es sein Instinkt, der ihm bei der Jagd auch oft zugutekommt? Thies ist davon überzeugt.

Jedenfalls fährt er seither wieder auf seinem Oldtimer die fast zwei Kilometer lange Strecke zwischen seinem Wohnhaus und dem Bahnhof Eschede. Dort steigt er entweder in die Bahn, um nach Celle oder zu anderen Orten zu fahren, oder er steigt um auf ein in limitierter Auflage gebautes Audi-Rad, das er 1997 als Stammkunde für 1600 Mark in seinem Autohaus gekauft hat. „Das ist ein bildhübsches Alurad mit Shimano-Bremsen und -Schaltung. Da rostet nichts.“ Und mit den dicken Ballonreifen kann er bequem seine Touren fahren.

Bei Wind und Wetter ist der ehemalige Archivar unterwegs und versorgt sich per Rucksack und Radgepäckträger selbst. Ein Auto braucht er nicht: „Am Bahnhof Eschede steht mir doch die Welt offen“, verrät er ganz pragmatisch sein Weltbild. Er sei bereits von Kindesbeinen an sehr naturverbunden, sagt er. „Ich brauche Ruhe und Natur.“ Er hat in seiner Wohnung kein Fernsehgerät, er liest die Süddeutsche Zeitung.

Die Zeitung und seine Post muss er aber aus dem fast einen Kilometer entfernten Briefkasten holen. "Wer dich hier besucht, der meint es ehrlich", habe einmal seine Freundin zu ihm gesagt. Recht hat sie, denn der bei Regenwetter schlammige und bei Trockenheit staubige Weg entlang der Bahn ist eine Herausforderung.

Klar, Helmi Thies hat einen Führerschein: „Klassen eins und zwei hab' ich schon immer“, sagt der 80-jährige Escheder. Aber seit 1997 fährt er nur noch Fahrrad. Es ist genau 20 Jahre her, dass Helmi Thies seinen VW Passat verlor. Totalschaden. Eine Bekannte hatte sich den Wagen ausgeliehen und einen Unfall gehabt.

Jetzt kann es schon mal passieren, dass er auf seinem Heimweg oder auf dem Weg zum Escheder Bahnhof einem Keiler begegnet, der am Bahndamm nach Eicheln sucht. „Das hatte ich schon mal. Das Tier hat sich durch mich gar nicht stören lassen.“

Schon als Kind hatte er einen intensiven Bezug zu Tieren, denn auf dem Gut Habighorst gab es fast alles. Und Helmi, das ist die Abkürzung für Wilhelm, kann sich noch gut an ein besonderes Erlebnis erinnern. Damals saß er als 14-Jähriger auf der Stute Waltraud – sein jüngerer Bruder Henning auf Leibhusar daneben – und Viktoria Luise, die Tochter des Kaisers Wilhelm II., war auf dem Gut zu Besuch und streichelte die Pferde.

Von Lothar H. Bluhm