Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Helmut Klose lebt seit 20 Jahren mit fremdem Herz
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Helmut Klose lebt seit 20 Jahren mit fremdem Herz
16:37 07.02.2014
Von Christopher Menge
20 Jahre mit fremden Herz Helmut Klose Quelle: Alex Sorokin
Boye

Plötzlich bekommt Helmut Klose keine Luft, das Herz hört auf zu schlagen, er geht zu Boden. Der damals 56-Jährige muss reanimiert werden – die Ärzte holen ihn zurück. Doch es steht trotzdem schlecht um den Tischlermeister. Nur ein Spenderherz kann Klose, der bereits vier Jahre zuvor einen Herzinfarkt hatte, retten. Im Februar 1994 – ein halbes Jahr nach dem Zusammenbruch – wird ein neues Herz transplantiert. Seitdem geht es dem Rentner, der mit seiner Frau Elke in Boye lebt, gut.

„Ich hatte ganz großes Glück“, sagt Klose. Sein Körper nahm das fremde Herz an und auch die Medikamente vertrug der 76-Jährige ohne größere Probleme. Seine Tischlerei in der Heese musste er zwar aufgeben, aber ansonsten war er kaum eingeschränkt.

„Wir waren in Südafrika, in New York und in Oslo – alles mit dem neuen Herz“, erzählt Klose, der nach dem Eingriff bereits nach neun Tagen aus der Medizinischen Hochschule Hannover entlassen worden war. Vorher hatte ihm Professor Hans-Gerd Fieguth, der heute Chefarzt der Klinik für Thorax- und Gefäßchirurgie im Klinikum Oststadt-Heidehaus Hannover ist, Mut gemacht. „Wir schaffen das schon, nur sie müssen mitmachen“, hatte der Arzt immer gesagt.

Fieguth ist auch zu der Feier eingeladen. Klose feiert seinen „20. Geburtstag“ gemeinsam mit Tochter Angela Yanar, die 40 Jahre alt geworden ist. Yanar war 20 Jahre jung, als sie ihren Vater fast verloren hätte. Ihre beiden Kinder hätte Klose beinahe nicht kennengelernt.

Dabei sind die sechsjährige Enkeltochter und der dreijährige Enkelsohn stolz auf ihren Opa. „Sie sagen immer, dass ihr Opa alles kann“, erzählt Klose und lacht. Regale für den Kindergarten hat er schon gebaut und eine Ritterburg aus Holz. „Jetzt wollen sie noch ein Floss haben“, sagt Klose, „Langeweile kenne ich nicht.“

Das liegt aber nicht nur an den Enkelkindern, sondern vor allem an den vielen Hobbies, denen Klose nachgeht. Schnitzen, drexeln, malen – Klose hat für alles seine Leidenschaft. Er fertigt Porzelanpuppen, schnitzt Enten und Frösche und schneidet den Buxbaum im Garten wie ein Gummibärchen.

Außerdem hält er sich mit Ergometertraining fit. „Bis vor kurzem habe ich noch Tennis gespielt“, erzählt Klose. Und das sehr erfolgreich. Bei den Weltmeisterschaften der transplantierten und behinderten Sportler in Nancy gewann Klose mit seinem Partner Helmut Krüger die Bronze-Medaille.

„Das wäre alles nicht gewesen, wenn ich kein neues Herz bekommen hätte“, sagt Klose und blickt auf die vergangenen 20 Jahre zurück, „es war die schönste Zeit meines Lebens.“