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Celle Ortsteile Hermann-Reske-Schule: Mit Spaß zum Lernen motivieren
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Hermann-Reske-Schule: Mit Spaß zum Lernen motivieren
20:39 13.03.2015
Zum Tag der offenen Tür in der Lobetaler Hermann-Reske-Schule konnten Besucher auch in einem Schwimmbecken voller Papierheu spielen. Quelle: Benjamin Westhoff
Wietzenbruch

Leonie tollt durch das mit Papierschnipseln gefüllte Schwimmbecken. Dann bewirft sie einen ihrer Mitschüler. "Getroffen", sagt die 14-Jährige mit sichtlich viel Spaß. Leonie gehört zu den 58 Schülern mit geistiger Behinderung an der Hermann-Reske-Schule in Wietzenbruch. In dieser Tagesbildungsstätte werden sieben Klassen mit je acht Kindern auf das Leben vorbereitet. Auf ihr Lieblingsfach angesprochen, nennt Leonie: "Zu Real fahren", denn ihr Lehrplan ist deutlich praktischer ausgelegt als in Regelschulen.

Neulich ging es im Unterricht auch um die Struktur von Papier und darum, wie man Papier herstellt. Auch die Kreativität der Schüler soll angesprochen werden. In der Turnhalle gegenüber bauen sie sich gerade einen eigenen Parcours für ihre Rollbretter. Zu 800 Kilogramm Papierheu sollen demnächst noch ein paar Buchstaben dazu kommen, erzählt Schulleiter Jörn Fangmann am Tag der offenen Tür an der Fuhrberger Straße 219. Der Experte für Psychomotorik sagt: "Es ist wichtig, dass die Kinder Spaß an Bewegung haben." Im Schulalltag ist Spaß an der Sache das oberste Ziel. "Damit lernen die Schüler besser."

Auch Deutschlehrerin Silvia Ohlenroth überlegt sich Wege, die Kinder zum Lernen von Wörtern zu motivieren. Mit einem Silbenspiel oder -klatschen gehe das einfacher. Die Bandbreite in den Klassen ist ziemlich groß, manche Kinder sitzen im Rollstuhl, manche nicht. Einige Schüler können ihren Eltern selbst einen Zettel schreiben. Andere werden wohl nie richtig lesen und schreiben lernen. Dann ist es wichtig, ihnen zumindest die Bedeutung der wichtigsten Signalworte – wie "Stopp" und "Halt" – beizubringen.

In den Ganztagsschulbetrieb sind viele Ruhepausen eingebaut, um die Kinder nicht zu überfordern. Außerdem gibt es Arbeitsgruppen für Wald, Sport, Musik, Schwimmen, Fahrrad und Erste Hilfe. Zur Wahrnehmungsförderung jüngerer Schüler ist auch ein "Snoezelraum" da – mit einem Wasserbett, zwei Wassersprudelsäulen und bunten Lichtern.

Jedes Kind hat einen individuellen Praxisplan. Auch der Stundenplan der Klasse 1 sieht besonders aus. Jeder Tag hat eine andere Farbe und einen anderen Geruch, jedes Fach ein eigenes Symbol. Olga Neumann experimentiert gerade mit Patrick und Anna. Sie basteln sich mit einer Brausetablette und grünen Sirup eine Lava-Lampe, erzeugen mit einem Fön Wellen oder schalten eine Seifenblasenmaschine an.

Von Dagny Rößler