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Celle Ortsteile „Heuhaufennadeln“ für Westercelle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile „Heuhaufennadeln“ für Westercelle
15:56 25.04.2013
Von Michael Ende
Stück für Stück Handarbeit der Kinderspielplatz-Experten aus Tabarz in Thüringen. Auf dem linken Bild präsentieren Moritz Hanke (links) und Jan Weigt das Modell der Anlage. Klar, dass auch Chef Hans-Georg Kellner mit anpackt. Ganz oben beim Bau: Farid Rezkalah. Quelle: Gert Neumann
Westercelle

„Wir haben es noch nicht versucht, deshalb geht es sicher gut.“ Dieses Pippi Langstrumpf zugeschriebene Zitat ist ein Motto von Hans-Georg Kellner. Dem Spielplatzbauer, der seine Firma auch „Institut für spielbedingte Lärmentwicklung“ nennt, sitzt der Schalk im Nacken. Seit 22 Jahren widmet er sich der Spielraum- und Freiflächengestaltung. Und jedes Mal versucht der Mann aus Tabarz im nordwestlichen Thüringer Wald etwas Neues. So entsteht derzeit an der Straße „Am Spielplatz“ in Westercelle eine Spiellandschaft mit „Heuhaufennadeln“.

„Die Idee dazu kam mir, als im Celler Bieneninstitut Bienenkörbe gesehen habe“, sagt Kellner, der Werkzeugmacher gelernt und Holzgestaltung sowie angewandte Kunst studiert hat. Er arbeitet in verschiedenen Dimensionen mit Holz: Seine Firma vertreibt auch Spielzeug wie etwa Bauklötze. Wenn er und seine Leute einen Spielplatz bauen, gebe es da Parallelen: „Für uns ist es auch Spiel. Es ist, wie wenn man einem Kind Hölzchen in die Hand gibt.“ Die „Klötzchen“, die er derzeit in Westercelle verbaut, bestehen aus massiver Eiche. Fünf Kubikmeter dieses Naturmaterials werden mit Edelstahl kombiniert.

Rund 400 Spielplätze hat Kellner schon gebaut - keiner davon war von der Stange: „Es ist immer ein Abenteuer.“ Dafür, dass es nicht allzu abenteuerlich zugeht, sorgt ein unabhängiger Gutacher, der bereits während des Baus garantiert, dass der fertige Kinderspielplatz sicher ist. Kellner-Unikate findet man rund um den Globus. In ganz Europa, sogar in Japan sei man auf Montage, so der Spielplatz-Künstler: „Es ist schön zu reisen, und die Arbeit macht Spaß - vor allem, wenn man sieht, wie die Kinder dann einen Platz in Beschlag nehmen.“

Der städtische Landschaftsarchitekt Martin Engelhard ist zufällig auf Kellners Arbeit gestoßen: „Ich habe im Schweizer Tessin einen Platz von ihm gesehen - der war klasse.“ Nach einer ersten Kontaktaufnahme sei dann der Gedanke entstanden, dass man dem Celler Straßennamen „Am Spielplatz“ endlich einen realen Hintergrund verpassen sollte, so Engelhard: „Die Straße hieß schon zu Zeiten so, als Westercelle noch nicht eingemeindet war. Einen Spielplatz gab es nie. Jetzt kommt hier endlich das hin, was schon immer hierher sollte.“

Der rund 60.000 Euro teure Spielplatz werde der wahrscheinlich wichtigste in Westercelle, so Engelhard: „Wir versuchen immer, jeden Spielplatz mit einer individuellen Gestaltung oder einem in Celle noch nicht vorhandenen Spielgerät als interessanten Treffpunkt für Eltern und Kinder zu gestalten. Hier kommt noch hinzu, dass der Kindergarten kein richtiges Klettergerät besitzt und der Spielplatz dann auch vom Kindergarten genutzt wird. Die Kinder können dann den Spielplatz am Wochenende auch mal Oma und Opa zeigen.“

Die Nachbarskinder beobachten jetzt schon jeden Handgriff von Kellner und seinem Team. Ein wenig Geduld müssten die Kleinen noch haben, sagt Engelhard: „Der Spielplatz wird wegen Ansaaten und Restarbeiten erst in etwa sechs Wochen eröffnet.“

Michael Ende