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Celle Ortsteile Hilferuf aus Celler Sprachheilschule
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Hilferuf aus Celler Sprachheilschule
20:05 27.05.2015
Schulsozialarbeiterin Kirsten Blümcke redet mit Förderschülern. An vier Tagen geht sie aktuell fünf Stunden arbeiten. Ab August soll es nur noch die Hälfte der Zeit sein. Quelle: Alex Sorokin
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. Wenn es an der Celler Sprachheilschule Probleme gibt, ist Kirsten Blümcke zur Stelle. Zur Schulsozialarbeiterin kommen Kinder, Eltern und Lehrer mit ihren Sorgen. An vier Tagen ist sie fünf Stunden vor Ort. Ab 1. August soll aus ihrer halben Stelle eine Viertelstelle werden. Insgesamt ist die Sozialpädagogin für rund 170 Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse zuständig. "Mit zehn Stunden pro Woche kann ich meine Arbeit nicht gut machen – gerade wenn mehr als die Hälfte der Schüler aus einem schwierigen Umfeld kommen", betont Blümcke, die von Müden nach Celle pendelt.

Blümckes Kollegen geben ihr Rückhalt. In einem offenen Aufruf bittet der Personalrat der Sprachheilschule um breite Unterstützung vom niedersächsischen Kultusministerium, über den Landkreis, hinzu Jugendhilfen und Eltern. Es geht den Absendern nicht nur um die Schulsozialarbeit an Förderschulen, sondern um den Stellenwert insgesamt: "Schulsozialarbeit ist zu einer unverzichtbaren Gelingensbedingung für die Bewältigung der Bildungsarbeit in Schulen geworden. Sie ist in niedersächsischen Schulen bisher nur unzureichend etabliert. Ja mehr noch – bereits eingerichtete Stellen werden gestrichen oder dramatisch gekürzt." Die Schulsozialarbeit dürfe kein Projekt sein, das Jahr für Jahr verlängert wird, sondern sie müsse fest installiert sein.

Blümcke arbeitet auch viel mit dem Jugendamt und Beratungsstellen zusammen. "Es ist total wichtig, dass Kindern und Eltern rechtzeitig geholfen wird oder sie zu den richtigen Stellen vermittelt werden", erzählt Blümcke. "Sonst kann es für die Gesellschaft teuer werden." Sie meint damit womöglich Gefängnisstrafen und Heimkosten in der Zukunft.

Landkreis-Sprecherin Yvonne Jacobi erläutert, dass die Finanzierung von Schulsozialarbeit nicht Aufgabe der Landkreise sei. Vielmehr sei das Land zuständig. In der Vergangenheit wurden Hauptschulen und Oberschulen mit Hauptschulzweig gefördert. "Sozialarbeit an Förderschulen wurde dagegen vom Land nicht gefördert."

Das Geld für Blümcke stammt aus nicht benötigten Finanzmitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Das waren im Schuljahr 2012/13 550.000 Euro. Nun laufen die Bundesmittel aus, im laufenden Schuljahr gibt es Reste in Höhe von 371.000 Euro, ab Sommer werden es 170.000 Euro sein. "Im Schuljahr 2015/16 reichen die Mittel nicht mehr aus, alle Förderschulen mit einer halben Stelle sozialpädagogischer Fachkraft auszustatten", schreibt Jacobi. Nach geltender Rechtslage stehen sämtliche pädagogische Mitarbeiter an allen öffentlichen Schulen in einem unmittelbaren Dienstverhältnis zum Land, dementsprechend müsse auch das Land zahlen. Jacobi schreibt: "Die ersatzweise oder auch nur ergänzende Finanzierung aus dem Kreishaushalt wurde ausdrücklich ausgeschlossen. Eine Folgefinanzierung seitens des Bundes oder des Landes ist bis heute nicht geklärt."

Von Dagny Rößlter