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Celle Ortsteile Hoffen auf den nächsten Altpapier-Krieg
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Hoffen auf den nächsten Altpapier-Krieg
15:04 14.02.2012
Von Heiko Hartung
‹ber 13.000 Tonnen Altpapier wurden im vergangenen Jahr in Celle gesammelt. Quelle: Peter M¸ller
Altencelle

Altpapier sammeln hat beim SV Garßen Tradition. Seit über 30 Jahren holen die Fußballer des Vereins fünf bis sechsmal im Jahr die Bündel direkt vor den Haustüren in Garßen, Bostel, Hornshof und Alvern ab. Rund 100 Tonnen des Wertstoffs kommen so zusammen. Ein lohnendes Geschäft: „Im Frühjahr wird der neue Anbau unseres Sportheims eingeweiht“, erzählt Holger Lackner, „finanziert wird er durch die Erlöse der Altpapiersammlungen“, so der Altliga-Spieler. Aber auch die Jugendteams des Klubs werden mit dem Geld unterstützt.

Wie in Garßen sammeln überall im Landkreis Celle Sportvereine, Hilfsorganisationen oder Feuerwehren den begehrten Rohstoff. Von den über 13.700 Tonnen Altpapier kamen 2011 rund 2350 Tonnen bei Vereinssammlungen zusammen. Besonders im vergangenen Jahr hat sich die Mühe der ehrenamtlichen Sammler gelohnt. Im April schossen die Preise für Altpapier durch die Decke, stiegen auf 105 Euro pro Tonne. Henry Mäurer, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Celle (cellex), erinnert sich: „Schon 2007 gab es einen echten Altpapier-Krieg. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt war riesig, das trieb die Tonnen-Preise auf knapp 90 Euro.“ Was damals gut für die Vereinssammler war, kam auch dem Abfallzweckverband und damit dem Gebührenzahler zugute: „Damals war Altpapier erstmals kein Zuschussgeschäft für uns“, sagt Mäurer.

Doch der Totalabsturz im Zuge der Weltwirtschaftskrise ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im Dezember 2008 fiel der Preis auf mickrige 2,50 Euro pro Tonne. Das schlug sich auch in der „Sammelwut“ der Vereine nieder. 2009 sank die gesammelte Menge um rund 500 Tonnen. Beim SV Garßen wussten sie sich seinerzeit zu helfen: „Wir haben das Papier ein halbes Jahr zwischengelagert und gewartet, bis die Preise wieder stiegen“, so Lackner. Mit Erfolg: Der nächste Preiskampf loderte im vergangenen Jahr mit Höchsterlösen auf. Doch seitdem geht es erneut bergab. Derzeit notiert der Europäische Wirtschaftsdienst (EUWID) einen Preis von etwas mehr als 40 Euro pro Tonne Altpapier. Die Vereinssammler hoffen deshalb auf einen erneuten Anstieg der Preiskurve, auch wenn Garßens Sammel-Organisator Lackner versichert: „Unsere Motivation leidet nicht unter den schwankenden Erlösen.“

Beim Abfallzweckverband sieht man die fleißigen Einsätze von Ehrenamtlichen übrigens kritisch. „Unsere Erlöse durch Altpapierrecycling helfen, die Müllgebühren stabil zu halten“, sagt Mäurer. „Klar, dass wir da nicht unbedingt Werbung für Vereinssammlungen machen.“ Wenn sich jedoch Bürger eine Papiertonne bestellen, darin Altpapier sammeln und es dann schließlich doch zur Vereinssammlung bringen, sei das nicht mehr tolerierbar, so der cellex-Geschäftsführer.