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Celle Ortsteile "Idealer Ort für neue Impulse"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "Idealer Ort für neue Impulse"
18:09 01.06.2012
Dietrich Burggraf leitet seit September 2009 die Heimvolkshochschule Hustedt. Quelle: Gert Neumann
Hustedt

Herr Burggraf, fiel Ihnen das alles in den Schoß oder waren Sie ein Streber?

Ich war schon immer neugierig, hinterfragend, das erleichtert das Erkennen von Zusammenhängen. Und wenn man auf Menschen zugeht und sich gemeinsam Ziele setzt, dann lässt sich viel erreichen.

Wie haben sie die Heimvolkshochschule Hustedt bisher erlebt?

Als eine engagierte Bildungseinrichtung mit eigenem bildungspolitischem Profil – praxisnah, kritisch-emanzipatorisch und offen für alle Interessierten. Es ist überzeugend und toll, dass Jahr für Jahr über 5000 Menschen zu uns kommen und eine Woche bleiben. Das macht Mut. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Wir sind auch ganz offensiv auf die Nachbarschaft zugegangen und fest in die Gemeinde integriert. Außerdem bin ich in die Freiwillige Feuerwehr Hustedt gerne eingetreten, gehöre auch mit der HVHS dem Gewerbeverein Groß Hehlen-Scheuen-Hustedt an. Schließlich sind wir im Celler Norden mit 40 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Organisation, Verwaltung, Pädagogik und Küche sowie 160 Referenten auf Honorarbasis einer der größten Arbeitgeber.

Einer, der wirtschaftlich schwarze Zahlen schreibt?

Richtig, die Wirtschaftlichkeit der Bildungseinrichtung haben wir fest im Auge. Doch unser Hauptprofil liegt woanders, in der politischen Bildung, in gesellschaftlicher Teilhabe, Mitbestimmung und sozial geprägter Demokratie. Die „Hustedter Gespräche“ sind offen für alle. Hier werden Zukunftsfragen diskutiert. Außerdem vermitteln wir zwei- bis dreimal jährlich in jeweils sechswöchigen Akademiekursen Grundlagen der politischen Bildung. Die Teilnehmer rekrutieren sich aus dem Kreis betrieblicher Interessenvertretungen großer Firmen. Wir arbeiten überwiegend mit gewerkschaftlichen Bildungspartnern zusammen. Viele unserer Teilnehmer übernehmen Aufgaben in der betrieblichen Interessenvertretung und in den Gewerkschaften oder nutzen die Kurse zur Vorbereitung auf Studiengänge an den Universitäten. Denn unsere Kurse stärken die Studierfähigkeit. Bedeutende Männer und Frauen hatten in Hustedt Kurse belegt. Ich denke da an den Vorsitzenden des VW-Gesamt- und Konzernbetriebsrates Bernd Osterloh, den Gewerkschaftsvorsitzenden der IG Bergbau-Chemie-Energie Michel Vassiliadis oder den Chef der IG Bau Klaus Wiesenhügel, um nur einige zu nennen.

Sie haben 2010 das „Hustedter Picknick“ ins Leben gerufen, das am Sonntag in dem schönen Park zum dritten Mal stattfinden wird. Tolle Referenten, Prominente aus Politik und Wirtschaft und Kleinkünstler laden zum kostenlosen Besuch ein. Wenn jeder Gast ein Geschenk mitbringen müsste, was würden Sie sich wünschen?

Spenden von Bäumchen alter Obstbaumsorten für eine geplante Obstbaumwiese, das wäre riesig. Aber auch Bücherspenden sind uns sehr willkommen. Am wichtigsten aber ist für Interessente, einmal in Hustedt vorbeizukommen und sich alles anzusehen. Hustedt ist ein idealer Ort für Gespräche, Begegnungen und neue Impulse.

Wie gestaltete sich ihr beruflicher Werdegang zwischen Studium und Hustedt?

Meine erste Anstellung führte mich als pädagogischen Mitarbeiter und Geschäftsführer nach Osnabrück in die Evangelische Erwachsenenbildung. 1988 wechselte ich zur der Volkshochschule nach Emden. Ab 2001 war ich Geschäftsführer der Volkshochschule Braunschweig. Vier Jahre später wechselte ich als Direktor zur Volkshochschule Hannover und erhielt im gleichen Jahr einen Lehrauftrag an der Leibniz-Universität in der Erwachsenenbildung.

Nun sind Sie in Hustedt. Sehen Sie das als einen weiteren Sprung auf der Karriereleiter?

Hustedt hat eine lange Tradition. Es ist eine überaus spannende Aufgabe, politische Bildung für soziale Demokratie und Mitbestimmung zu vermitteln und zudem für eine gute Infrastruktur in der Einrichtung zu sorgen. Mit meinem Kollegen Harald Kolbe und mir wurde auch die Geschäftsführung neu besetzt. Das waren besonders gute Voraussetzungen für die Weiterarbeit.

Von Gert Neumann