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Celle Ortsteile Im Einsatz gegen „alltäglichen Wahnsinn“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Im Einsatz gegen „alltäglichen Wahnsinn“
16:25 09.08.2010
Polizeiaktion zur Kindersicherheit vor Schule am Beispiel GHS Wietzenbruch Quelle: Peter Müller
Wietzenbruch

Autos parken teils in zweiter Reihe, der Gegenverkehr staut sich und zwischendrin überqueren Kinder mit ihren Eltern die Fahrbahn oder schlängeln sich mit ihren Fahrrädern um die Autos. „Das ist der ganz alltägliche Wahnsinn“, sagt Joachim Ehlers, Verkehrssicherheitsberater im Präventionsteam der Celler Polizei, als er die Szenen vor der Grund- und Hauptschule Wietzenbruch am Montagmorgen zwischen 7.30 und 8 Uhr verfolgt.

Zusammen mit zwei Kollegen ist er im Einsatz, um Informationsflyer an die Eltern zu verteilen. „Wir sprechen die Fahrzeugführer gezielt an und geben Hinweise“, erklärt Ehlers. „Erstaunlicher Weise stellen wir dabei auch in diesem Jahr wieder fest, dass die meisten im Nahbereich, also im Umkreis von rund 1000 Metern um die Schule wohnen. Ein Großteil bringt seinen Nachwuchs auch ‘’nur mal ausnahmsweise’ zur Schule.“

Nicht nur an der Schule in Wietzenbruch, an möglichst vielen Schulen im gesamten Stadtgebiet will die Polizei in dieser Woche Präsenz zeigen. Die Kontrollergebnisse der vergangenen Jahre sprechen für sich. Rund die Hälfte der Kinder ist nur unzureichend oder überhaupt nicht gesichert.

„Eltern versuchen gerne, sich herauszureden“, sagt Kommissar Sven Denig. „Mein Kind muss sich gerade abgeschnallt haben, ist ein Satz, den wir ständig hören.“ Christian Bartz, der seinen Sohn Florian öfter zur Schule fährt, ist von der Polizeiaktion begeistert. „Mein Kind schnallt sich immer schon alleine an“, so Bartz. „Ich hatte mal bei Schritttempo unangeschnallt einen Auffahrunfall und bin schön mit dem Kopf aufs Lenkrad geknallt. Seitdem bin ich da extrem wachsam. Es ist schon heftig, was hier teilweise los ist.“ Einen Tipp hat der sorgsame Vater auch noch: „Wenn die Polizei richtig Geld verdienen wollte, dann stünde sie am besten jeden Tag hier.“

Sicherheitsberater Ehlers winkt aber ab. „In dieser Woche drücken wir noch ein Auge zu und wollen zunächst möglicherweise unwissende Eltern für die Gefahr sensibilisieren. Ab der nächsten Woche gibt es dann aber kein Pardon mehr, dann wird kontrolliert.“

Von Björn Schlüter