Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile "In der Heese hat man alles zusammen"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "In der Heese hat man alles zusammen"
16:41 31.07.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle-Heese

Morgens um halb zehn am Lauensteinplatz sitzen Barbara Rustemeyer und Melanie Böse vor dem Eiscafé Dolomiti und lassen es sich bei einem Latte Macchiato gut gehen. Die beiden nutzen den freien Vormittag und haben sich spontan verabredet. Gleich drehen sie noch eine Runde, gehen zur Apotheke, zum Arzt und in den Supermarkt.

"Hier gibt es nichts, worauf wir verzichten müssen", sagt Barbara Rustemeyer. Die Schließung des Modegeschäfts von Gisela Eckert nach 55 Jahren sei jedoch ein Verlust gewesen. "Da meine Tante dort gearbeitet hatte, kannte mich die Inhaberin von Klein auf." Da die 45-Jährige sich kein Auto leisten kann, ist sie froh, seit vielen Jahren in der Nähe des Lauensteinplatzes zu wohnen. "Wenn ich bei Edeka Wilhelms frage, kann ich meinen Einkauf auch mit dem Wagen bis nach Hause schieben", erzählt die Friseurgehilfin. Natürlich nur, wenn sie den Einkaufswagen wieder zurückbringt.

Während der Ferienzeit gehe es im Edeka-Markt relativ ruhig zu, sagt Inhaberin Sabine Schäfer. Doch einige Stammkunden könnten sich einen Urlaub nicht leisten. "In der Heese sitzt das Geld nicht so locker. Viele Leute bleiben zu Hause, sitzen auf dem Balkon und gehen hier einkaufen", so Wilhelms. "Wenn Schule ist, arbeiten wir an drei Kassen."

Das Stadtteilbüro und die Awo sorgen dafür, dass am Heeseplatz etwas los ist. Freitags ist dort alle zwei Wochen von 9 bis 16 Uhr Flohmarkt. Am Freitag, 10. August, findet sogar ein Nachtflohmarkt mit Live-Musik auf dem Lauensteinplatz statt. Auch der "Garten der Begegnung" ist zum Treffpunkt geworden. "Uns ist es wichtig, dass die Menschen zusammenkommen", sagt Izabela Marcinkowska. Die Stadtteilmanagerin kehrt gerade vor dem Büroeingang, als Mirza Ozden vorbeischaut. Er engagiert sich hier und bei der Awo ehrenamtlich, obwohl er schon mehr als zwei Jahre mit seiner Familie in Klein Hehlen wohnt. 20 Jahre hat er in seiner alten Heimat gelebt. Der 51-Jährige erzählt: "Ich wäre lieber in der Heese geblieben. Hier hat man alles zusammen, was man zum Leben braucht." Die Heese sei wie eine kleine City. "Von hier aus kann man einfach nach Westercelle spazieren. Auch der Weg in die Innenstadt ist nicht weit." So gebe man wenig Geld aus für Benzin oder Bustickets.

Wer in der Heese Geldsorgen hat, erhält bei der Awo Unterstützung. Der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt heißt Dieter Abelmann. An diesem Tag begleitet ihn Hund "Krümel" bei der Arbeit. In der Migrationsberatung gibt es gerade viel zu tun. "Im vergangenen Jahr sind 500 neue Fälle dazugekommen", betont er. Drei Mitarbeiter und ein Dolmetscher kümmern sich um die Geflüchteten. "Es kann schon mal zwei Stunden dauern, zusammen ein Formular auszufüllen."