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Celle Ortsteile Inklusion: Lehrermangel wird andauern
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Inklusion: Lehrermangel wird andauern
16:55 30.09.2017
Von Gunther Meinrenken
Ronald Bahr, Vorsitzender des Kreiselternrats, stellte zu Anfang die "relativ deprimierenden" Zahlen zur Inklusion vor. Quelle: Michael Schäfer
Celle

Ansonsten dürfte es vielen Zuschauern nicht leicht gefallen sein, im Detail die unterschiedlichen Auffassungen der Parteien über die künftige Ausgestaltung der Inklusion säuberlich auseinander zu halten. Immerhin die Grundhaltung wurde deutlich: Während CDU und FDP sich klar dafür aussprachen, auch die Förderschulen Lernen wieder zu öffnen und andeuteten, mit der Inklusion so nicht fortfahren zu wollen, möchten Grüne und SPD keinen Schritt zurücktreten. Sie setzen darauf, mit mehr Investitionen vor allem in Personal die Inklusion voranzutreiben.

Die landespolitische Haltung der regierenden SPD fiel bei der Debatte leider etwas unter den Tisch. Der Landtagsabgeordnete Christoph Bartling war verhindert. Er wurde vom SPD-Kreistagsmitglied Mathias Pauls vertreten, der sich zwar tapfer schlug, aber eben die Position der regierenden SPD kaum transportierte. Immerhin, Pauls war ehrlich. Angesprochen von Moderator Reinhard Fricke, Vorsitzender des Verbandes Sonderpädagogik, ob die Inklusion ein Erfolg sei, meinte Pauls: "Wenn ich die Zahlen sehe, von einem Erfolg zu sprechen, fällt mir schwer."

Pauls bezog sich dabei auf die Statistik, die Ronald Bahr, Vorsitzender des Kreiselternrats, zu Beginn der Veranstaltung präsentierte. Demnach fehlen vor allen Dingen an Grund- und Oberschulen Förderschullehrer. An Oberschulen würden nach Zahlen der Landesschulbehörde im Schuljahr 2016/2017 nur 277 von 1261,5 Förderstunden erteilt, das entspricht einem Fehl von 37 Sonderpädagogen. Anika von Bose, Mitglied der Arbeitsgruppe Inklusion beim Kreiselternrat, legte anschließend den Finger in die Wunde. "Von einer inklusiven Schule sind wir noch sehr weit entfernt. Beim derzeitigen Ressourcenmangel ist es schier unmöglich, jede Schule inklusiv zu gestalten, daher wäre aus unserer Sicht die Bildung von Schwerpunktschulen eine mögliche Lösung." Gastgeber Uwe Kirchner, Leiter der Paul-Klee-Schule, bemängelte, dass auch Jahre nach der Einführung des inklusiven Schulsystem "viele Aufgabenbereiche nicht so geregelt sind, dass wir effektiv arbeiten können."

Das Wort Schwerpunktschulen nahm Jörg Hillmer (CDU) zwar nicht in den Mund, dafür merkte er an, dass man mit der Inklusion nicht so fortfahren könne, wie bisher. "Wir müssen uns am Wohl der Kinder orientieren. Das bedeutet, dass die Eltern wieder die Wahlmöglichkeit erhalten müssen." Im Klartext: Die Förderschulen Lernen, deren Schließung erst einmal gestoppt wurde, möchte die CDU im Falle eines Wahlsieges wieder einführen. Ein klares Statement. Dahinter steht auch die FDP, wie deren Vertreter Björn Försterling sagte. Er schlug vor, dass man gegen den Lehrermangel auch kurzfristige Lösungen, wie die "Umschulung" von Gymnasiallehrern zu Förderschullehrern erwägen sollte.

Auch der in Regierungsverantwortung stehende Heiner Scholing (Grüne) hätte sich gerne "mehr gewünscht". Er bemängelte, dass Bildungspolitik strukturell unterfinanziert sei. Allerdings: "Wir reden nicht über wichtige Dinge, weil wir nur über fehlende Ressourcen reden. Wir reden zu wenig darüber, was es sonst noch braucht an Haltung." Eine Aussage, die sofort den Widerspruch von Försterling provozierte: "Wie soll man Haltung bewahren, wenn einem ständig ins Kreuz getreten wird."

Aktuell vermeldete der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt den Vollzug dessen, was Scholing in der Diskussion bereits angekündigt hatte. Das Kultusministerium stelle "zur Verbesserung der Inklusion in Niedersachsen insgesamt 650 Stellen für pädagogische Mitarbeiter an 840 Schulen bereit. Davon werden auch 34 Schulen in Stadt und Landkreis Celle profitieren", so Schmidt. Damit werde der "Einstieg in den Einsatz von multiprofessionellen Teams" geschaffen. Schmidt sei zuversichtlich, dass die Stellen bereits Ende Oktober besetzt sein werden.