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Celle Ortsteile Integration geht durch den Magen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Integration geht durch den Magen
17:42 28.11.2010
Aus dem Babylon, dem besonderen Familienrestaurant. Makiesse Kialunda war für angolanische Spreisen zuständig. Quelle: Gert Neumann
Scheuen

Halil Savucu strahlte um die Wette mit der Samstagnachmittag-Sonne, die der Kälte des Novembers zum Trotz noch wärmende Strahlen direkt in den Speisesaal des „Babylon“ warf. Die Gastronomie im „Event- und Veranstaltungszentrum Ezidyan“ am Reiherpfahl 2 in Scheuen, das ehemalige Soldatenheim, war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Gefüllt, weil der Ruf des kurdischen Sozialpädagogen erhört wurde. Dies durchaus nicht nur von Menschen, die sich nur für „kleines Geld“ den Luxus eines Restaurantsbesuchs mit ihren Familien erlauben konnten. Auch lokale Prominenz, wie Stadtrat Stephan Kassel oder die Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Fischer hatten sich eingefunden. Auch weitere offensichtlich besser betuchte Gäste waren zugegen. Denn im „Babylon“ ging es um weit mehr, als nur um ein wohlschmeckendes preiswertes Mittagsmahl, wie es einmal monatlich angeboten wird und weiter angeboten werden soll ­– auch wenn die Fördermittel der Europäischen Union und der Stadt Celle versiegen.

Der umtriebige Savucu will im „Babylon“ drei Fliegen mit einer Klappe schlagen, was ihm in der Rückschau auf Samstag gelungen ist.

Migranten- und deutsche Frauen zauberten leckere Speisen auf die Tische, serviert von jungen kurdischen und angolanischen Mädchen. Es schmeckte offensichtlich, denn der berühmte „Nachschlag“ war eher die Regel. Vor allem das kurdische Essen hatte es den Gästen angetan.

Der Blick in die Küche war erwünscht. Savucus Schwester Rahine war federführend für die Pizzen zuständig: „Lamaso“ zu bereiten, ist ungemein zeitaufwändig. „Alles kommt frisch auf den Tisch. Tomatenmark aus der Dose, das gibt es bei uns nicht“. Auf den selbst gemachten Teig, der sich später gut rollen lässt, so dass die Pizza auch locker aus der Hand gegessen werden kann, kommen zahlreiche Zutaten: Kleingehackte Zwiebeln, Petersilie, Paprika, verschiedene Tomatenmarks, ein Hauch von Knoblauch. Mehr wurde nicht verraten, denn jede Köchin habe ihre speziellen Geheimnisse. 50 Pizzen habe sie gefertigt, so Savucu. Keine sei übrig geblieben. Geschmacklich gab es gute Noten. Was auch für die Linsensuppe galt, dem Beitrag deutscher Kochkunst.

Für 50 Cent der Nachtisch oder ein mit Apfel gefüllter Kuchen: Solche Preise dürften ohne Fördermittel kaum zu halten sein.

Das kurdische Essen war zweifelsfrei der Renner des Tages. Auch das angolanische „Aros com Feijeas“ (Reis und Bohnen), fand zahlreiche Abnehmer. Makiesse Kialunda hatte weitgehend den Geschmack der Gäste getroffen. Bei „Manioko“, einer länglichen süß schmeckenden Kartoffel, die zusammen mit Bananen in einem Topf gekocht wird, gelang ihr das allerdings nur bedingt. Die Stimmung trübte es indes nicht.

Von Gert Neumann