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Celle Ortsteile Jedes Jahr eine große Tour
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Jedes Jahr eine große Tour
17:03 08.09.2017
Das Fahrrad, mit dem Hans-Dieter Kühn seine Radtouren macht, hat bereits 74.000 Kilometer auf dem Buckel. Quelle: Christina Matthies
Celle

Seine Begeisterung für ausgiebige Radtouren hat der gebürtige Celler eigentlich schon als Jugendlicher entdeckt: 1966 sei er kurzerhand mit dem Fahrrad nach Luxemburg aufgebrochen, erinnert er sich. „Ich war damals ein großer Fan von Radio Luxemburg, und wollte mir einfach mal das Studio angucken – das hat dann sogar wirklich geklappt.“ Diese erste große Radtour führte Kühn schließlich von Luxemburg über Belgien und Holland zurück nach Celle. „1200 Kilometer waren das, die ich ganz allein mit Zelt und Kocher auf dem Gepäckträger absolviert habe.“ Mit 18 aber erlahmte Kühns Interesse. „Ich hab den Führerschein gemacht, mir ein altes Auto gekauft. Da war erstmal Schluss mit Radfahren.“

1984 dann – die Eheleute Kühn wollten mit einem befreundeten Ehepaar Urlaub in Österreich machen – habe er aus einer Laune heraus beschlossen, mit dem Fahrrad zum Urlaubsort zu reisen. „Die Frauen sind mit dem Auto gefahren und wir Männer mit dem Rad hinterher.“ In dem Jahr sei er wieder so richtig auf den Geschmack gekommen, sagt der 69-Jährige. „Seitdem mache ich jedes Jahr mindestens eine große Tour.“ 48 Fahrradtouren seien es bis heute, berichtet Kühn und deutet auf die Wände seines Arbeitszimmers, die neben liebevoll arrangierten Fotos fast aller seiner Radreisen auch eine überdimensionale Landkarte schmückt. Auf ihr hat der Celler mit roten Pins markiert, wo überall er schon gewesen ist.

„Wenn ich eine neue Tour plane, suche ich mir anhand der Karte einen Ort aus, den ich noch nicht kenne“, erzählt er. „Inzwischen ist das gar nicht mehr so einfach.“ Von Schleswig-Holstein nach Dänemark, von Innsbruck nach Regensburg, vom Spreewald bis in die Lausitz oder von Nordpolen bis Masuren führten ihn seine Radtouren. „Nach der Wende bin ich vor allem im Osten gefahren“, berichtet Kühn und verrät eine Anekdote, die ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. „Ich wollte schon immer mit dem Fahrrad durch die DDR fahren. Das ging aber nicht, weil man sein Rad damals nicht mit über die Grenze nehmen durfte.“ Er habe deswegen sogar mit dem in der DDR zuständigen Ministerium korrespondiert – erfolglos. „1990 hat sich plötzlich jemand gemeldet, der den ganzen Schriftwechsel mitbekommen hatte – er hat mir angeboten, mich zu begleiten und so bin ich schließlich doch noch zu meiner Tour gekommen.“

Obwohl die Ziele stets unterschiedlich sind, eines bleibt immer gleich: „Ich fahre immer im Mai und immer nach dem ersten Vollmond“, sagt der 69-Jährige. „Da ändert sich nämlich das Wetter und es wird schön – bis jetzt hatte ich auch immer Glück.“ Mit der Bahn reisen Kühn und seine Mitfahrer bis zum gewählten Startpunkt, von dort aus geht es dann in einer Woche zurück nach Celle. „Rund 70 Kilometer machen wir am Tag“, erklärt Kühn, „wir planen auch genug Zeit ein, dass wir uns die Stadt, in der wir gerade sind, angucken können. Das gehört schließlich auch dazu.“ Und noch etwas bleibe immer gleich, verrät der Celler. „Wenn wir zurück in Celle sind, gibt es vor dem blühenden Rhododendron in unserem Vorgarten ein Abschlussbild.“

Von Christina Matthies