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Celle Ortsteile Johanniterhaus Celle: Mehr Bewegung gegen innere Unruhe
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Johanniterhaus Celle: Mehr Bewegung gegen innere Unruhe
18:07 18.08.2017
Von Dagny Siebke
Die Räume sind offen gestaltet. So ist Platz für Spaziergänge mit Rollatoren und Rollstühlen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle-Heese

Menschen, die an Demenz erkrankt sind, haben ein erhöhtes Bewegungsbedürfnis. Im Johanniterhaus wurden die dementen Bewohner aus Sicherheitsgründen immer wieder darum gebeten, sich doch wieder an den Tisch zu setzen, wenn diese über den Flur spazieren wollten. Es war unmöglich, mit dem Rollator oder dem Rollstuhl durch den Raum zu gehen. Können die Senioren ihren natürlichen Bewegungsdrang nicht ausleben, schürt dies innere Unruhe und Ängste.

Zum 50. Geburtstag des Johanniterhauses an der Wittestraße wurde am Freitag die „Gute Stube“ zur gerontopsychiatrischen Betreuung von Demenzkranken eingeweiht. „Wir möchten, dass unsere betroffenen Bewohner nicht den ganzen Tag am Tisch sitzen, sondern sich frei bewegen können“, sagt Sabine Bräunlich, Leiterin Soziale Dienste. Dazu wurde die ehemalige Heimleiterwohnung, die die vergangenen Jahre leer stand, ausgebaut.

Die Räume der „Guten Stube“ sind offen gestaltet und bieten einen barrierefreien Rundgang. Das heißt, die Bewohner können auf rund 96 Quadratmetern auch mit Rollator selbstständig herumlaufen. Durch die Terrassentür gelangen die Senioren in den neu angelegten Garten. Die geschwungenen Wege laden zum gefahrlosen Spazieren ein.

„Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten, den Tag zu verbringen“, erzählt Bräunlich. Die Bewohner entscheiden selbst, ob sie an einem Beschäftigungsangebot teilnehmen wollen oder nur auf dem Sofa sitzen, an der Garderobe Hüte ausprobieren oder im Haushalt helfen wollen. „Unser Ziel ist es, unseren Bewohnern einen möglichst abwechslungsreichen fröhlichen und individuell abgestimmten Tagesablauf zu bieten“, erklärt Bräunlich.

Einrichtungsleiter Dirk Tillaire ist es wichtig, die Lebensqualität der Senioren zu verbessern: „Sie sollen sich an ihr früheres Leben in ihrem eigenen Haushalt erinnern“, so Tillaire. Durch die gewonnene Mobilität und Räume zum Wohnfühlen sollen Ängste und die innere Unruhe aufgelöst werden.

Tillaire betont, dass es sich bei der „Guten Stube“ nicht um eine „Demenz-WG“ handele. Die 15 dementen Bewohner sind stationär im Johanniterhaus untergebracht und können jetzt tagsüber im neuen gerontopsychiatrischen Bereich betreut werden. „Wir haben jetzt nicht mehr zwei aufgeteilte Gruppen, sondern eine Gemeinschaft, sodass unser Betreuungspersonal sich nicht aufteilen muss, sondern den gesamten Vor- oder Nachmittag für die Bewohner da ist“, erläutert Tillaire. Insgesamt wohnen im Johanniterhaus 80 Senioren.

Seit zwei Jahren haben Tillaire und Bräunlich die Grundidee für die gerontopsychiatrische Betreuung. Nun investierte der Träger des Johanniterhauses, Hannoversche Genossenschaft des Johanniterordens, einen größeren fünfstelligen Euro-Betrag. „Dieses Konzept gibt es bisher noch nirgendwo sonst“, so Tillaire. „Wir sind dabei Vorreiter und müssen erst einmal gucken, ob es funktioniert.“