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Celle Ortsteile Jugendliche lernen beim „Szenenwechsel“ soziale Einrichtungen in Celle kennen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Jugendliche lernen beim „Szenenwechsel“ soziale Einrichtungen in Celle kennen
21:07 28.03.2015
Baumeister nach der Arbeit: Praktikant Julien Gercke, Emil, Marten und Jerret - sitzen in ihrem selbst gebauten Tippi. Quelle: Benjamin Westhoff
Westercelle

Kinderlachen hallt durch den Wald. Benjamin Gerlach steht an einer Hängematte und gibt den Mädchen Mia und Anna Anschwung. Sein Freund Justin Haaf tobt mit ein paar Jungs auf der Wiese und Julien Gercke baut mit einer anderen Kindergruppe am Tippi weiter. Alles wirkt wie ein ganz normaler Kindergartentag. Doch die drei Neuntklässler haben die Kindergartenkinder erst vor ein paar Minuten kennengelernt. Die 15-Jährigen begannen am vergangenen Donnerstag ihr Praktikum in dem Kindergarten an der Christuskirche in Westercelle.

So wie die drei Jungs nehmen auch 26 weitere Jugendliche an dem Projekt „Szenenwechsel“ der evangelischen Kirche in Celle teil und lernen für eine Woche den Arbeitsalltag in einer diakonischen Einrichtung kennen. Gerlach und seine Kumpels haben vorher noch nie mit Kindern gearbeitet. „Ich habe ein Praktikum beim Elektriker gemacht“, sagt Haaf. Sein Mitschüler Gercke hat im Februar ein Praktikum beim Schweißtechniker absolviert. „In der Schule wurde uns das Projekt vorgestellt und wir haben uns gleich dafür interessiert“, erzählt er. „Die Kinder kommen von ganz alleine, man muss nur auf sie eingehen“, sagt Gerlach stolz und widmet sich wieder seinen neu gewonnenen Freundinnen. Die Kindergärtnerinnen sind begeistert. „Schon seit drei Jahren nehmen wir Praktikanten des 'Szenewechsel'-Projekts auf und es ist toll zu sehen, dass diese sich freiwillig einbringen und ihre Wahrnehmung auf die Arbeit im Kindergarten schärfen können“, sagt die Erzieherin Friderun Rolof.

In der Einrichtung „ZAC“ (Zentrum für Arbeit und Beratung Celle) für Menschen mit einer Behinderung ist heute Spieltag. Der 15-jährige Heiko Brodersen sitzt mit Christa und Elke am Tisch. Sie plaudern ungezwungen miteinander. „Hier herrscht eine tolle Atmosphäre. Alle sind nett und ich freue mich darauf, noch viele Erfahrungen zu sammeln“, erzählt Brodersen. Leiterin Jennifer Stahl unterstützt gerne das Projekt. „Wir freuen uns immer über Praktikanten und den frischen Wind, den sie mitbringen“, sagt sie. So harmonisch scheint es auch in der Bingorunde im Wilhelm-Buchholz-Stift. Charlyn Ciomber sitzt mit ihrer Freundin Tamara Bergmann in der Seniorenrunde der Tagespflege. „Ich hatte vorher Angst, dass es hier stumm werden könnte und ich die älteren Leute nicht verstehe“, sagt sie und Erleichterung zeigt sich in ihrem Gesicht. Stumm ist hier keiner. Fröhlich klönt sie mit einer älteren Dame, die ihr gegenübersitzt. „Später will ich vielleicht Lehrerin werden“, erzählt die 14-jährige.

Dieses Jahr nehmen im Landkreis Celle 29 Jugendliche an dem Projekt teil. „Wir sind direkt in die Schulen gegangen und haben die Schüler angesprochen. Im Vordergrund steht, dass die Jugendlichen ihren Horizont erweitern können und sich fragen, wie es in sozialen Einrichtungen aussieht und was hinter der Arbeit dort steckt“, erklärt Tom Weber, Kirchenkreisjugendwart in Celle und Organisator des Projekts.

Von Friederike Plesse