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Celle Ortsteile Kalte Nächte im Vorzelt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Kalte Nächte im Vorzelt
16:31 08.02.2012
Von Heiko Hartung
Dauercamper Wolfgang Koschack in seinem Wohnwagen am Silbersee. Quelle: Heiko Hartung
Vorwerk

„Die letzten Nächte waren echt hart“, räumt Wolfgang Koschack ein. Seit vorletztem Jahr wohnt der 61-Jährige alleine in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz am Silbersee. Und der Dauerfrost macht ihm zu schaffen. Der Gasofen in der Ecke des Vorzelts bullert den ganzen Tag. Aber wenn er nachts auf dem Sofa schläft, kriecht die Kälte schnell unter die Decke.

Dreher, Taxifahrer, Kneipenbesitzer – Koschack hat schon viel gemacht. Zuletzt meinte es das Leben nicht sehr gut mit ihm. Jetzt lebt er auf acht Quadratmetern in seinem mobilen Heim bei Vorwerk – so wie etwa 50 weitere Menschen, die hier ihren Erstwohnsitz angemeldet haben. Zumeist sind es alleinstehende Männer, Rentner mit wenig Geld oder Sozialhilfeempfänger, die hier landen. Denn die Standgebühr ist niedrig, die Nebenkosten gering.

Karl Werner „Charly“ Kesten kennt sie alle. Seit über 20 Jahren ist er Pächter des Campingplatzes, betreibt oben auf der kleinen Anhöhe eine Kneipe. „Im Winter mache ich erst ab Donnerstag auf, am Wochenanfang kommt sowieso kaum ein Gast“, sagt Kesten. Die Geschäfte laufen mäßig, zudem kämpft er mit gefrorenen Wasserleitungen. Den kleinen Kiosk am Eingang hat Kesten schon längst dicht gemacht. Jetzt muss er los: „Gasflaschen kaufen – zum Heizen.“ Winterschlafstimmung liegt über dem Campingplatz.

Die Zipfelmützen der Gartenzwerge vor Wolfgang Koschacks Vorzelt sind schneebedeckt. Die Hollywoodschaukel vor der Hecke ist kaputt. Weil auch sein Motorroller bei der Kälte nicht mehr anspringt, ist Koschack an seine einsame Bleibe gefesselt. „Im Sommer ist hier viel los. Wenn ich vor den Wohnwagen trete, habe ich einen direkten Blick auf den See“, erzählt er. Doch jetzt ist von dieser Idylle nichts zu spüren.

Das Mittagessen steht auf dem Tisch. Bratkartoffeln mit Würstchen. Koschack hat es sich in seiner Jogginghose und dem gestreiften Sweatshirt gemütlich gemacht. Der Fernseher läuft, auf dem Tisch stapeln sich die Tabaksdosen. Der Arbeitslose dreht selbst, das ist billiger. Mit seinem Schicksal hadert er nicht: „Ich liebe meine Freiheit. Hier muss ich nicht wie in einem Mietshaus auf Nachbarn Rücksicht nehmen.“ Es klingt, als ob er es sich selbst ein wenig schön redet.

Ein neuer Job, eine richtige Wohnung? Große Erwartungen an die Zukunft hat Koschack nicht. „In meinem Alter sieht‘s mit ‚ner Arbeitsstelle schlecht aus.“ Als er in sein Vorzelt verschwindet und die Tür zumacht, rieselt ein wenig Schnee zu Boden. Zurück bleibt ein Duft von Bratkartoffeln Es riecht leicht angebrannt.