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Celle Ortsteile Katholiken befassen sich mit Missbrauch
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Katholiken befassen sich mit Missbrauch
16:09 01.06.2011
Von Oliver Gatz
Vorwerk

"Es kocht immer noch", beschreibt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Meinrad Teicher die Gefühlslage in der katholischen Kirchengemeinde "St. Johannes der Täufer" in Vorwerk. Dort war bis 2007 Dechant Hermann Spicker als Geistlicher tätig. Wegen seiner pädophilen Neigungen wurde er zwei Jahre später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und vom Bistum Hildesheim in den Ruhestand versetzt. Dabei stand ein sexueller Übergriff auf einen unter 14 Jahre alten Jugendlichen außerhalb des Bistums im Jahr 1995 im Mittelpunkt.

Auch in Vorwerk kursierten immer wieder Gerüchte, Spicker habe sich an Kindern vergangen. Als Folge kehrten etliche Familien der Gemeinde den Rücken. "Uns sind die Jugendlichen weggebrochen", erläuterte Teicher. Die Anschuldigungen spalteten die Gemeinde. Im Pfarrgemeinderat ist man nun bemüht, die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Gräben zu überwinden. "Es geht darum, dass wir ehrlich damit umgehen und versuchen, solche Übergriffe in Zukunft zu vermeiden", so Teicher.

Als ersten Schritt hatte die Gemeinde die Expertinnen Sabine Oswald und Anja Werner am Dienstag zu einem Informationsabend eingeladen, zu dem knapp 30 Interessierte kamen. Beide sind Mitglieder des Vereins Brennessel, der sich gegen sexuellen Missbrauch von Kindern stark macht. Die Referentinnen machten deutlich, um was es bei solchen Übergriffen geht, wie man sie erkennt und damit umgeht.

"Der Erwachsene nutzt seine Machtposition aus und benutzt die Abhängigkeit, das Vertrauen und die Unwissenheit des Kindes", erläuterte Oswald, die im Jugendamt tätig ist. Bei Verhaltensänderungen von Kindern sollten die Eltern intensiv nachfragen und versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. "Es gibt immer ein Opfer und einen Täter. Das Opfer empfindet Ohnmacht, der Täter Omnipotenz", ergänzte Werner, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises. Viel Raum widmeten die Expertinnen auch dem Thema Aufklärung zum Schutz der Kinder.

Mit dem Vertrauensverlust in der Vorwerker Gemeinde haben insbesondere die ehrenamtlichen Helfer zu kämpfen. Das wurde in der Diskussion deutlich. Es kam auch die Frage auf, wie die Gemeinde zur Geschlossenheit zurückfinden kann. Im Gespräch ist nun ein externer Moderator, der den Annäherungsprozess unter Einbindung von Kindern und Jugendlichen begleiten soll.