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Celle Ortsteile Kein Spiel ohne Ivan
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Kein Spiel ohne Ivan
14:39 23.07.2017
Elissa, Berfin sowie Sidar und Ilias (von links) eifern im Kinder-Team "Ivan" ihrem Bruder und Cousin sowie Fußballspieler aus Leidenschaft nach, der vor drei Monaten bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. An der Unfallstelle erinnern auch heute noch Kerzen, Blumen, Kränze und Bilder an den Jungen. Quelle: Anke Schlicht
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„Ihr müsst mal lernen, Fußball zu spielen!“ „Die spielen doch wie 'ne Gurke!“ Am Rande der vier Begegnungen geht es am Freitagabend auf dem Sportplatz Altenhagen hoch her. Ivan hätte das wohl gefallen. „Er war ein echter Fußballfreak und schon eine Persönlichkeit“, berichtet Zuschauerin Viola Schulze, die den vor drei Monaten bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückten Jungen von klein auf kannte. „Er hat gezeigt, was er fühlt, er war sehr offen“, ergänzt Banknachbarin Ulrike Hesseling.

Fröhlich, sehr sozial und für sein Alter schon sehr weit – das sind die Eigenschaften, die immer wieder genannt werden, wenn über den kleinen Fußballer und „Feuerwehrmann“, zu dessen Ehren und Gedenken das einwöchige Turnier stattfindet, gesprochen wird. „Ich will was machen für Ivan, ganz einfach“, erläutert der Trainer des VfL Altenhagen und Initiator Andreas Kosanke den Ausgangspunkt für das Sportevent mit fünf Mannschaften. Nachdem die Familie Ose von Unterlüß nach Altenhagen gezogen war, wechselte der Junge vom FC Unterlüß zum VfL Altenhagen. „Es geht nicht um die Erlöse, es geht ums Erinnern“, ergänzt Kosanke, der mit der täglichen Resonanz von um die 100 Zuschauern sehr zufrieden ist. Turnierhöhepunkt war der gesellige Abend am Mittwoch mit Riesenbuffet.

„Elf Jahre habe ich mit ihm am 19. Juli Geburtstag gefeiert“, erzählt Vater Ali Ose. „Um sechs Uhr morgens ging ich immer an sein Bett. ‚Ach Papa, lass mich schlafen‘, sagte er dann. Und eine Minute später ‚Papa, was hast du als Geschenk für mich?‘“, erinnert sich Ali Ose lachend. Er nimmt jedem unmittelbar die Berührungsängste. „Am Freitag geschah der Unfall, am Sonntag war Ali bei uns auf dem Platz. ‚Für Ivan bin ich hier‘, sagte er und half uns so sehr damit. Wir wussten doch nicht, wie wir reagieren sollten. Er hat in seiner Trauer an uns gedacht, es uns leichter gemacht“, berichtet Ulrike Hesseling. „Wir waren ihm so dankbar, dabei hätten wir ihn doch trösten müssen“, zeigt sie sich von dieser Geste noch immer gerührt.

„Die Kinder fuhren in schwarzen Trikots zur Beerdigung nach Hannover, es war Ali wichtig, dass sie dorthin kommen.“ „Ich wollte jedem die Gelegenheit geben, sich zu verabschieden“, sagt Ali Ose. An der Trauerfeier auf dem Friedhof in Hannover-Lahe nahmen mehrere tausend Menschen teil.

Vor Ort auf dem weitläufigen Gelände in Altenhagen fällt ein kleines, schwarz gekleidetes „Special Team“ aus Jungen und Mädchen, das am Rande die Bälle kickt, ins Auge. „Guck mal, was da steht“, sagt Ilias und weist auf seinen Rücken. „Team Ivan, Nr. 14“ – das war die Nummer seines Bruders. Geschwister, Cousins und Cousinen tragen die dunklen Gedenktrikots mit einem Foto Ivans darauf.

Die gesamte, sehr große Familie ist anwesend, in ihrer Mitte Mutter Adla, sie sitzt still da und beobachtet das Geschehen. Vater Ali bildet den Gegenpart, er ist überall und nirgends, führt Fußball-Fachgespräche, erzählt von Ivan und über das Turnier: „Ich freue mich, dass so viele kommen, fröhlich sind. Es herrscht gute Stimmung, wir sind einfach zusammen, reden miteinander, schauen die Spiele. Meinem Sohn hätte das gefallen. Die Jahre, die er hatte, war er glücklich.“ In Unterlüß trug er die Nummer 10, in Altenhagen die Nummer 14, beim Cup zu seinen Ehren, der fest etabliert werden soll, war Ivan bei jedem Spiel dabei – als Nummer 12 der Herzen.

Von Anke Schlicht