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Celle Ortsteile Kita-Streik: Geduld von Celler Eltern ist am Ende
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Kita-Streik: Geduld von Celler Eltern ist am Ende
20:09 28.05.2015
Das Familennetzwerk hat Ole (links) und Kyle während des Streiks der Erzieherinnen aufgefangen. Claudia Lambracht (links) und Johanna Schumann sind beide berufstätig. Quelle: Alex Sorokin
Wietzenbruch

Knapp drei Wochen am Stück hat Johanna Schumann ihren Sohn Ole, wie sie sagt, „wegorganisiert“. Der Sechsjährige hat den Großteil der Zeit bei seinen Großeltern 70 Kilometer von Celle entfernt verbracht. „Unter der Woche habe ich meinen Sohn nicht gesehen“, erzählt Schumann. Da die Oma selbst noch berufstätig ist, musste sie sich für die Betreuung des Enkels extra freinehmen. Denn als Schulbegleiterin muss Schumann sich nach den Ferienzeiten richten. Auch Claudia Lambracht hat in einer Werbeagentur täglich Fristen einzuhalten. Für die Erzieherinnen sind in der Familie ersatzweise Mann und Geschwister eingesprungen.

Alles, damit ein Teil der Erzieherinnen ihren Forderungen Nachdruck verleihen konnte. Und dafür, dass die übrigen Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte Wietzenbruch nicht überlastet wurden. Insgesamt hat die Kita fünf Gruppen mit 104 Betreuungsplätzen. Zwei davon sind Familiengruppen mit Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren. Drei Erzieherinnen befanden sich drei Wochen lang im Streik. Aus der zweiten Familiengruppe wurde so eine Notgruppe. Außerdem war die Kita während des Ausstands führungslos, da die Leiterin nach wie vor krank ist und deren Stellvertreterin mitgestreikt hat.

Den beiden Müttern aus dem Elternrat ist es wichtig, die Kita nicht in ein schlechtes Licht zu rücken. Doch nun ist ihnen der Geduldsfaden gerissen: „Der Ausstand wird nicht nur auf dem Rücken ausgetragen, sondern auch auf dem der Kinder.“ Nach der Streikpause hat Ole mal wieder die Kita besucht. Dort herrschte eine unruhige Stimmung. „Die Kinder dort haben gemerkt, dass die Erzieher unter Druck stehen“, erzählt Schumann. Die häufigen Erzieherwechsel belasteten die Kinder, zudem fehlten die treuen Spielkameraden. Ole konnte nur mit den Jüngeren spielen. Schumann und Lambracht möchten aber mit einem sicheren Gefühl auf Arbeit gehen, dass es ihren Söhnen tagsüber gut geht. Außerdem werde es nach der langen Pause schwieriger, die Kinder wieder an die Kita zu gewöhnen.

Über die Aushänge wurden die Eltern über den Streikverlauf informiert. Die Erzieherinnen haben sich auch vorbehalten, die Kita kurzfristig ganz zu schließen. „Wenn ich morgens vor verschlossenen Türen der Kita stehen würde, bliebe mir genau eine halbe Stunde Zeit, um Ersatz zu organisieren“, erklärt Schumann.

Die Eltern hoffen nach all der Zeit darauf, dass Städte und Gemeinden endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Einen unbefristeten Streik womöglich bis zu den Schulferien wollen sie sich nicht ausmalen. Die Politik solle das Streikrecht dahin gehend ändern, dass den Betroffenen mehr Pausen zum Durchatmen bleibt. Wie der Kita-Streik weitergehen soll, entscheidet sich heute. Dann gibt die Gewerkschaft Verdi weitere Planungen bekannt.

Von Dagny Rößler