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Celle Ortsteile Klein Hehlener Baugebiet Kieferngrund: Teures Bauland, das keiner haben will
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Klein Hehlener Baugebiet Kieferngrund: Teures Bauland, das keiner haben will
21:35 12.12.2013
Von Michael Ende
Häuslebauer haben sich geradezu auf das Klein Hehlener Neubaugebiet "Kieferngrund" gestürzt. Die Grundstücke mit dem hier rot angedeuteten Lärmschutzstreifen sind allerdings Ladenhüter - aus gutem Grund. Quelle: Foto:
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. Wie man Baugrundstücke in einem an sich stark nachgefragten Neubaugebiet so unattraktiv macht, dass sie keiner haben will, das hat die Stadt Celle im Klein Hehlener "Kieferngrund" vorexerziert. Auf rund einem Dutzend dieser Grundstücke ist die heute ziemlich unmoderne Bauform "Bungalow" vorgeschrieben. Außerdem müssten die Bauherren für teures Geld einen praktisch nicht nutzbaren Brandschutzstreifen auf dem eigenen Grundstück mit erwerben. Mit diesen Kröten, die bisher kaum jemand schlucken wollte, hat sich jetzt der städtische Stadtmarketing-Ausschuss beschäftigt.

Der Großteil der insgesamt 70 "Kieferngrund"-Grundstücke sei der Stadt regelrecht aus den Händen gerissen worden, hieß es im Ausschuss. Verfügbar seien noch zwölf Parzellen, wovon zehn eines gemeinsam hätten: "Hier sind auf Grund der Bebauungsplanfestsetzungen wie Eingeschossigkeit und einer Dachneigung von 0 bis 30 Grad lediglich Häuser im Bungalow-Stil möglich. Eine Nachfrage nach diesen Grundstücken besteht kaum. Auch die Größe der Grundstücke von 700 bis 1100 Quadratmetern sowie ein auf den Grundstücken liegender Brandschutzstreifen mit einer Tiefe von 18 Metern, der ebenfalls zum Preis von 106 Euro pro Quadratmeter verkauft wird, erschweren die Vermarktung der Grundstücke." Fast alle Interessenten, die barrierefrei bauen wollten, wünschten sich ein kleineres Grundstück.

"Die armen Hanseln, die da mal bauen werden", entfuhr es Michael Bischoff (CDU) angesichts der wenig verlockenden Konditionen: "Wer will denn schon einen Brandstreifen, auf dem er nichts bauen kann, für 106 Euro als Bauland kaufen? Liebe Leute - dann verkauft das doch als Grünland für 15 Euro oder lasst es gleich in städtischem Besitz."

Jens Rejmann (SPD) pflichtete ihm bei: "Genau. Und Bungalows sind out. Ich empfehle dringend, dort auch andere Bauformen zuzulassen. Dann klappt's auch mit der Vermarktung." Erste Stadträtin Susanne Schmitt nickte: "Das war keinem so bewusst, dass die Grundstücke zu diesen Bedingungen so schlecht zu verkaufen sind. Da muss man gegensteuern."

Genau das haben die Grünen im Stadtrat jetzt beantragt. Sie wollen, dass die Bungalow-Vorschrift gekippt wird, da hierfür "keine besonderen Gründe" vorlägen. Dass in dem schwer verkäuflichen Streifen direkt am Waldrand möglichst wenig Menschen leben sollen, ist übrigens das Kalkül der Stadt. Sie und ihre Häuser sollen nämlich als die am nächsten an der viel befahrenen L 180 gelegenen Objekte Lärmschutz-Funktionen für den dahinter liegenden Rest des "Kieferngrundes" übernehmen. Im noch gültigen Bebauungsplan heißt es dazu: "Am Südrand des Neubaugebietes, in dem zur Nachtzeit die Orientierungswerte für Straßenlärm leicht überschritten werden (um weniger als 1 Dezibel), sollen lediglich eingeschossige Gebäude ohne Dachgeschoss („Bungalows“) zulässig sein. Dadurch kann in diesem Bereich mit der geringsten Einwohnerdichte gerechnet und die Anzahl der von den erhöhten Lärmwerten Betroffenen gemindert werden." Auch das ist nicht unbedingt ein Verkaufsargument. Michael Ende