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Celle Ortsteile "Klein Hehlener Kirchenband ist wie Familie"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "Klein Hehlener Kirchenband ist wie Familie"
17:26 28.08.2017
Jeden Freitagabend probt das Bonifatius-Bandprojekt in Klein Hehlen. Dazu gehören zwei Schlagzeuger, ein E-Gitarrist, ein Bassist, ein Pianist und vier Sängerinnen. Es ist aber kein Muss, ein Instrument zu spielen. Interessierte Jugendliche können auch so vorbeischauen. Quelle: Christina Matthies
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. Streng genommen hat Alina König-Sothmann keine Zeit, beim Bonifatius-Bandprojekt der Kirchengemeinde Klein Hehlen dauerhaft mitzumachen. Die 20-Jährige ist bei der Bundeswehr in Koblenz stationiert und kann deswegen nur noch selten an den Auftritten der kirchlichen Jugendband teilnehmen. Und dennoch: Ist sie am Wochenende in Celle, gehören Proben mit der Band ganz selbstverständlich dazu. „Freitagabends hierher zu kommen, das ist wie nach Hause kommen“, sagt sie. „Man kann seine Probleme hier abladen – das ist wie Familie.“

Zwei Schlagzeuger, ein E-Gitarrist, vier Sängerinnen, ein Bass-Gitarrist sowie ein Pianist: Daraus setzt sich das Bonifatius-Bandprojekt derzeit zusammen. „Wir laden alle Jugendlichen nach der Konfirmation zum Mitmachen ein“, erklärt Gemeindemitglied Ingfried Schawohl, der das Projekt vor 15 Jahren ins Leben gerufen hat. Die junge Kirchenband begleitet verschiedene Gottesdienste und spielt dabei neben traditionellen Kirchenliedern auch viele Stücke aus der christlichen Pop-Szene sowie eigene Songs.

„Viele Leute nehmen Kirche als sehr verstaubt, ja sogar verschroben wahr – nicht zuletzt auch aufgrund der Musik“, meint Schawohl. Das Bonifatius-Bandprojekt ist angetreten, um das zu ändern. Mit Erfolg: „Wenn wir im Gottesdienst auftreten, sieht man, wie vor allem die älteren Leute sich freuen“, erzählt die 17-jährige Katharina Fornaschon. „Manche tanzen sogar richtig mit, und kommen dann hinterher zu uns, um zu sagen, wie gut es ihnen gefallen hat.“ „Wir versprühen mit unseren Liedern Fröhlichkeit“, ergänzt Bandkollege Tilman Tiss. „Wir zeigen, dass Kirche Spaß macht.“

Es müsse aber auch nicht alles ausgelassen sein, so Gemeindemitglied Frank Tiss, der Schawohl seit vier Jahren beim Bandprojekt der Bonifatius-Kirche unterstützt. „Wir haben auf Kirchenkreisebene auch schon einen Gottesdienst zum Gedenken an verstorbene Kinder begleitet. „Da haben wir dann unsere ganze Traurigkeit in die Songs gepackt“, sagt sein 17-jähriger Sohn Tilman.

Die Mitglieder des Bonifatius-Bandprojekts sind alle von Haus aus musikalisch – fast jeder hier spielt ein Instrument. Das sei aber kein Muss, sagen die Jugendlichen einhellig. „Man kann auch einfach herkommen, wenn man Lust dazu hat.“ „Bei uns geht es ziemlich entspannt zu“, findet Jascha Adam. Der 17-Jährige spielt schon seit vielen Jahren E-Gitarre. Sein Engagement in der Kirchenband sei für ihn der Einstieg gewesen, auch in anderen Bands zu spielen. „Das Auftreten vor Publikum kostet am Anfang zwar Überwindung, übt aber auf jeden Fall“, betont Alina. Sie habe während einer Projektwoche in der Schule einmal allein einen Song performen müssen. „Da hat es mir geholfen, dass ich das schon mal gemacht habe.“

Die Kirchengemeinde Klein Hehlen sei eine besonders musikalische Gemeinde – davon ist Ingfried Schawohl überzeugt. „Stimmt“, meint Frank Tiss und lacht: „Als meine Frau das erste Mal mit mir einen Gottesdienst hier besucht hat, da hat sie ganz erstaunt gesagt: ‚Die singen ja alle mit‘.“

Nachwuchssorgen hat das Bonifatius-Bandprojekt im Moment jedenfalls keine: Die 14-jährige Mira Will ist beim Übungsabend an diesem Freitag ganz neu dabei – und hat richtig Lust zu singen. Während Schlagzeuger Justus Bromberg schon einmal probeweise den Takt vorgibt, blättert sie mit Alina und Katharina in diversen Noten. „Lasst uns mit diesem Stück anfangen“, ruft sie aufgeregt, „das kenne ich nämlich schon.“

Von Christina Matthies