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Celle Ortsteile Krach und Müll nerven Anwohner
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Krach und Müll nerven Anwohner
13:34 30.03.2012
Von Oliver Gatz
Stein des Anstofles: Sechs solcher Begrenzungssteine vor Lothar Bauernfeinds Wohnung im Mondhagen 26 ziehen Jugendliche an und sorgen f¸r ƒrger. Quelle: Peter M¸ller
Westercelle

Bei Lothar Bauernfeind liegen die Nerven blank. Seit Monaten ärgert sich der 82-Jährige über Kinder und Jugendliche, die unmittelbar vor seiner Wohnung Lärm machen, laute Musik hören und den Bereich mit Zigarettenschachteln, Taschentüchern und Flaschen vermüllen.

Bauernfeind wohnt in dem Mehrfamilienhaus der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG im Mondhagen 26. Auf der Rasenfläche vor dem Gebäude befinden sich sechs Findlinge, die die WBG dort vor einigen Jahren platzieren ließ. Wie Bauernfeind berichtet, ziehen diese flachen Begrenzungssteine immer wieder junge Leute an, die dort in den Abendstunden störend auffallen – „dunkle Gestalten“, wie der Celler sie bezeichnet. „Die turnen vor unserem Fenster herum“, sagt er. „Das ist ein richtiger Treffpunkt geworden.“ Was den 82-Jährigen ärgert, ist die Art und Weise, wie sich die Jugendlichen dort verhalten. „Die haben schon leere Plastikflaschen und Eier gegen unser Fenster geworfen“, beschwert sich der Anwohner. Die Wohnverhältnisse seien unzumutbar.

Das besagte Fenster im Erdgeschoss in direkter Nähe zur Rasenfläche gehört zu dem Schlafzimmer seiner pflegebedürftige Frau. Sie leidet unter Osteoporose und Altersdemenz und hat Pflegestufe 2. Allein schon aus diesem Grund möchte Bauernfeind, dass die WBG für Abhilfe sorgt. Er fordert, dass die Steine entfernt werden oder ein Gartenzaun errichtet wird, damit dort keine „Sitzpartys“ mehr stattfinden.

Außerdem gibt Bauernfeind zu bedenken, dass durch die Steine die Feuerwehr nicht mehr aufs Grundstück fahren kann. „Wenn‘s brennt, kommen die nicht um die Ecke“, meint er. Weil die WBG nichts an dem Zustand ändert, hat Bauernfeind im vergangenen Jahr selbst die Initiative ergriffen: Nachdem Kinder die Steine mit Kreide beschmiert hatten, bestrich Bauernfeind die Findlinge mit Melkfett. „Dann war erst einmal Schluss. Niemand hat sich mehr draufgesetzt.“

Mehrmals wandten sich Bauernfeind und seine Kinder, die ihn unterstützen, schriftlich an die WBG – ohne Erfolg. „Die Situation vor Ort ist uns durchaus bekannt“, heißt es bei der WBG, die bedauert, dass Bauernfeinds Frau unter den Ruhestörungen leidet. Aber es habe schon vor dem Setzen der Steine Auseinandersetzungen gegeben. So habe sich Bauernfeind darüber beschwert, dass Fahrzeuge auf der Rasenfläche stehen. „Dies war dann auch der Grund, warum wir die Steine dort hingelegt haben, wie sie jetzt sind“, heißt es in einem Schreiben der WBG. Bei allem Verständnis für Bauernfeinds Anliegen sehe man keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den flachen Steinen und den Störungen durch Dritte.

Seit 15 Jahren lebt Bauernfeind in der Wohnung. Ans Ausziehen denkt er nicht. „Nicht in meinem Alter“, sagt er mit einer Spur von Resignation.