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Celle Ortsteile Kreishegeschau in Bergen: „Müssen Wolf im Zaum halten“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Kreishegeschau in Bergen: „Müssen Wolf im Zaum halten“
17:19 05.03.2017
Von Michael Ende
Bergen Stadt

„Klar ist: Die Rückkehr der Wölfe verläuft nicht konfliktfrei. Neben der rasanten Populationsdynamik, mit der sich der Wolf in Niedersachsen ausbreitet, ist es vor allem das Thema Nutztierrisse, dass die Diskussionen verschärft“, sagte Dammann-Tamke. Die behördlicherseits empfohlenen großräumigen Umzäunungen seien unzureichend und nicht praktikabel. Die Politik sei letztendlich gefordert, Antworten zu erarbeiten: „Einzelne Tiere, die sich offensichtlich auf Nutztiere spezialisiert haben, müssen schnell und unbürokratisch entnommen werden. Ansonsten droht die Weidetierhaltung in Deutschland verloren zu gehen.“ Dammann-Tamke sagte, Niedersachsen müsse definieren, mit wie vielen Rudeln es zum Erhalt der europaweit wachsenden Wolfspopulation beitragen wolle: „Und dann muss man sicherstellen, wie man das begrenzt.“

Vor gesetzesgeberischen Schnellschüssen bei der Einführung bleifreier Munition warnte der Präsident: „Es muss sichergestellt sein, dass Alternativgeschosse dieselbe tierschutzgerechte Tötungswirkung haben wie bleihaltige Munition.“ Erst dann, wenn es für alle Büchsenkaliber praxistaugliche Alternativen gebe, könne ein Umstieg auf bleifreie Geschosse gesetzlich verlangt werden. Das verlange auch der Tierschutz.

„Wir müssen den Wolf im Zaum halten“, sagte der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte: Die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann pflichtete ihm bei: Die jetzige Rechtslage sei völlig ausreichend, um Wölfe, die auffällig seien, auch zu schießen. Es gelte nur, dieses Recht wirklich konsequent umzusetzen. Für den auf dem Land mittlerweile vielhundertfach geforderten Abschuss von Nutztier-“Spezialisten“ hat man sich in Ministerien in der Stadt eine nette Floskel einfallen lasen: „letale Entnahme“. Klingt harmlos. Heißt aber auch: „Abschuss“.

Kreisjägermeister Hans Knoop zog in seinem Rückblick auf das vergangene Jagdjahr eine positive Bilanz. So hätten die Celler Jäger zum Beispiel beim Schwarzwild einen Streckenrekord erzielt, wenn man den Bereich Siebensteinhäuser hinzuzähle: „4012 Stück – mein Dank gilt allen, die bei dieser gewaltigen Strecke mitgeholfen haben.“

Beim Rotwildabschuss sei Celle der stärkste Landkreis in ganz Niedersachsen, so Knoop, der sich nicht nur über die Zahl der erlegten Stücke sondern besonders auch darüber freute, dass sich immer mehr Jäger an die strikten Bejagungsrichtlinien hielten. Sie sollen gewährleisten, dass die Sozialstruktur des Rotwildes nicht im wahrsten Sinne „zerschossen“ wird. So sollten unter anderem mehr Hirsche alt und „kapital“ werden. Das erfordere Disziplin von den Jäger, die im Zweifel den Finger gerade lassen müssten, so Knoop: „Die Zahl der Fehlabschüsse geht ist zurückgegangen. Wir bewegen uns langsam in die richtige Richtung.“

Bei der Bejagung von Neozoen hätten die Jäger sich mehr ins Zeug gelegt, sagte Knoop: „Bei Marderhund, Waschbär und Nutria hat sich die Strecke verdoppelt. Dank der Wasserverbände können wir für die Nutria flächendeckend eine Schwanzprämie von 6 Euro einführen.“ Das werde hoffentlich dazu beitragen, den Bestand dieser Nager, die große Schäden verursachten, einzuschränken.“

Kreisjägerschafts-Vorsitzender Jan-Peter Dralle erinnerte an die Arbeit, die Celles Jäger leisteten: „Wir schützen die Natur durch vielfältige Aktionen und Initiativen, unterstützen Wissenschaft und Forschung seit 26 Jahren durch die Wildtiererfassung, zählen Schalenwild, Gänse, manchmal sogar Wölfe. Wir sammeln Blutproben und schicken Kadaver ins Veterinäramt, bergen Unfallwild von der Straße, schrauben Reflektoren an Leitpfosten und schützen so nicht nur das Wild, sondern auch die Autofahrer.“

Im laufenden Jahr werde die Kreisjägerschaft eine Unfallversicherung für die Hunde ihrer Mitglieder abschließen, so Dralle. So wolle man in Zeiten, in denen das Scharzwild immer wehrhafter werde, weil es Erfahrungen mit Wölfen sammele, ein deutliches Signal an alle Hundeführer geben: „Wir unterstützen ihre wichtige Arbeit.“ Der kontinuierliche Ausbau des Betriebs des Schießparks Celler Land sei ein weiteres wichtiges Thema in diesem Jahr, so Dralle. Es gelte, das Potenzial der Anlage noch weiter zu erschließen.