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Celle Ortsteile Ländliche Idylle im Celler Stadtgebiet
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Ländliche Idylle im Celler Stadtgebiet
17:15 17.07.2018
Von Carsten Richter
Quelle: Oliver Knoblich
Hustedt

Wer vom Hustedter Bahnhof kommt und aufmerksam die Straße „Zur Jägerei“ entlang fährt, entdeckt auf der rechten Seite eine echte Rarität. Mit ihrem spitzen Schnabel, dem langen, gebogenen Hals und ihrem üppigen Federkleid stechen die Nandus von Familie Behrens ins Auge. „Die werden schnell mal wütend“, warnt mich Ewald Behrens, der Seniorchef des Holzverarbeitungsbetriebs. Die Tiere, erfahre ich später, sind nur Hobby – die Einnahmen bringt der Holzvertrieb.

Ewald Behrens ist waschechter Hustedter. „Meine Großeltern haben das alles aufgebaut“, erzählt der 74-Jährige. „Das alles“ war früher ein rein landwirtschaftlicher Betrieb. Einer von vielen. Inzwischen ist der Behrens-Hof der einzige verbliebene Bauernhof in Hustedt.

Bei einem Besuch des Serengeti-Parks Hodenhagen sei sein Enkelsohn Sven auf die Idee gekommen, ein paar Nandus auf den Hof der Familie zu holen, sagt Ewald Behrens – als tierischer Zuwachs. „Inzwischen sind sie zu einer Attraktion für Schulklassen geworden.“

Die großen Vögel aus Südamerika bereichern das private Tierreich: Sie haben ihren Platz unweit des Geheges der Shetland-Ponys, der Esel und der Kamerunschafe. Bei meiner Ankunft auf dem Hof verteilt Behrens Brötchen an die Schafe. „Wir müssen zufüttern“, erklärt der Seniorchef. Wegen der langen Trockenheit finden die Tiere nicht mehr genug Grün auf der Wiese.

Auf dem Hof hält ein Auto, eine Verwandte bringt Brot und anderes Futter für die Tiere vorbei – Hilfsbereitschaft wird in Hustedt noch großgeschrieben. Wenig später hält wieder ein Auto. Diesmal ist es ein Lieferwagen – neue Arbeitshandschuhe für die Mitarbeiter. „Na, dann bis die Tage“, verabschiedet sich der junge Mann, nachdem Behrens den Erhalt der Lieferung bestätigt hat. Aus Hustedt wegziehen? Kommt für den 74-Jährigen nicht infrage. Er war schließlich immer hier.

Inzwischen ist auch auf dem Spielplatz etwas los. Erika Mylins ist mit ihrem zwei Jahre alten Enkel Tjark vorbeigekommen. Seit 42 Jahren lebt sie in dem Ort – die Liebe hat sie nach Hustedt verschlagen. „Wir wohnen hier gerne. Man ist abgeschieden, aber dennoch schnell in der Stadt“, sagt die 64-Jährige. Ihr gefällt der große Zusammenhalt im Ort. „Das Dorfgemeinschaftshaus kann man wunderbar für Feiern mieten. In der Stadt möchte ich nicht wohnen.“