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Celle Ortsteile Lebendiges Fest im Angesicht des Todes
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Lebendiges Fest im Angesicht des Todes
17:14 07.08.2017
Beim Sommerfest des Hospiz-Hauses verbringen Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter eine unbeschwerte Zeit. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Mit „einfach Freunde“ wäre auch die Mischung der Gäste und der Tenor des schon traditionellen Festes beschrieben. „Es ist ein fröhliches Treffen für unsere Hausgäste und deren Familien, unseren Freunden, Helfern und Mitarbeitern, für die Nachbarn hier im Waldviertel Wietzenbruch und für alle, die sich hier einmal mehr davon überzeugen möchten und können, wie lebendig Hospiz ist. Wir setzen uns dafür ein, dass unsere Gäste das letzte Stück ihres Lebens so gut es geht leben können und dürfen. Da passt ein gemeinsames Fest gut hinein“, so Marlies Wegner, Leiterin des Hospiz-Hauses.

Das fröhliche Treiben genoss auch mittendrin Ian White. Der gebürtige Brite lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Anfang der neunziger Jahre kam er als Soldat hier her und blieb. Seine fortschreitende Krankheit fesselt ihn an den Rollstuhl und an ein Sauerstoffgerät, das er nur für kurze Zeit einmal weglassen kann. „Eigentlich müsste ich schon gestorben sein. Als ich im März nach einer Lungenentzündung hier her kam, haben alle mit höchstens ein paar Wochen gerechnet. Jetzt sind schon vier Monate daraus geworden und ich beklag mich nicht."

Es liege an diesem tollen Haus und der so außergewöhnlichen Betreuung aller Schwestern und Mitarbeiter hier und das sei keine Lobhudelei, versichert der 72-Jährige. „Alle Menschen hier sind so gut drauf. Schon im Vorfeld wurde viel vom Sommerfest gesprochen und ich war richtig gespannt darauf. Und es ist super, diese Stimmung und Freude. Alles ist locker und lebendig und man gehört dazu. Es ist nicht alles traurig und wer wollte schon den Rest seines Lebens nur noch den Tod abwarten. Da ist es doch besser, noch alles mitzunehmen, was einem geboten wird, die Lebendigkeit um sich herum einzufangen und die Ablenkung und Freude zu genießen", meinte White.

Die Hospizgäste konnten sich, wenn es ihnen zu viel wurde, jederzeit ins Haus und in ihre Zimmer zurückziehen. Die meisten aber ließen sich zumindest eine kurze Stippvisite im Hof, gemeinsam mit ihren Angehörigen, nicht entgehen. Überall gab es Möglichkeiten für ein Pläuschchen. Vom Grill gab es deftige Bratwurst zum Salat. Der Kreativmarkt und die Marmeladentheke waren gut besucht und so mancher Oldieklassiker der Band lud zum Mitsingen und Schunkeln ein. Der Gesamterlös des Festes fließen in die Begleitung der Menschen im Hospiz ein.

Von Doris Hennies