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Celle Ortsteile Lebenshilfe Celle schlägt Beauftragten für Inklusion vor
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Lebenshilfe Celle schlägt Beauftragten für Inklusion vor
21:43 11.03.2015
Geschäftsführer Clemens Kasper sprach beim Empfang der Lebenshilfe über die diskriminierungsfreie volle Teilhabe an allen Grundfreiheiten und Menschenrechten. Quelle: Benjamin Westhoff
Altencelle

Der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Clemens Kasper, betonte beim gestrigen Jahresempfang, dass es keine "Inklusion mit der Brechstange" geben dürfe. Inklusion heißt wörtlich übersetzt Einbeziehung. In der Praxis wird sie umgesetzt, wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz und im Wohnviertel.

In seiner Rede stellte Kasper fest, dass in der Öffentlichkeit mit dem Wort Inklusion zu schnell und zu leichtfertig hantiert werde. In Medien und Politik fehle ihm der Hinweis auf die Behinderten-Konvention der Vereinten Nationen. Darin stünden zwar keine konkreten Antworten oder Lösungen zur Inklusion. "Aber die Auseinandersetzung damit könnte Emotionen herausnehmen und das Bewusstsein schärfen", erklärt Kasper.

In der UN-Konvention heißt es: Behinderte dürfen nicht aufgrund ihrer Beeinträchtigungen vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Wichtig sei aber, dass auch angemessene Vorkehrungen für die Bedürfnisse des Einzelnen getroffen werden.

Kasper hat beobachtet, dass das Thema Inklusion zunächst im vorschulischen Bereich diskutiert wurde. Aktuell erhitzt es die Gemüter im Bereich der Grundschule und Sekundarstufe. Es bestehe die Hoffnung, dass Inklusion "in Halbgenerationenschritten weniger emotionsgeladen voranschreitet." Schließlich gebe es gerade am Arbeitsmarkt am meisten zu tun.

Kasper schlägt die Stelle eines Behindertenbeauftragten vor, die in Baden-Württemberg seit Jahresbeginn Pflicht ist. Mit Blick auf die knappen Kassen bei Landkreis und Stadt Celle könne diese Aufgabe auch die Gleichstellungsbeauftragte übernehmen. Gleichzeitig bot der Geschäftsführer der Lebenshilfe auch die Unterstützung zur Ausarbeitung eines kreis- oder stadteigenen Aktionsplans zur Inklusion an.

Als ein regionales Sozialunternehmen oder Kompetenzzentrum für berufliche Bildung und Qualifizierung vernetze sich die Lebenshilfe mit ortsansässigen Unternehmen. Damit sollen auch die Chancen für Menschen in den Werkstätten steigen, bei regionalen Firmen einen Arbeitsplatz auf dem regulären Arbeitsmarkt zu finden. Als positives Beispiel erwähnte Kasper den Zweckverband Abfallwirtschaft. Ab April soll auf dessen Gelände eine Halle zur Zerlegung von Elektroschrott gebaut werden, in der etwa 25 beeinträchtigte Menschen eine Beschäftigung finden können.

Nach Vorgesprächen mit den Berufskammern haben die Werkstätten in einem landesweiten Projekt für fünf Berufsbilder Qualifizierungsbausteine für Personen mit Beeinträchtigungen erarbeitet und zertifizieren lassen. Unsicheren Unternehmen schlägt Kasper die "Diversity Days" in der ersten Juniwoche zum Probearbeiten vor. Dabei gehen die Beschäftigten der Lebenshilfe dieses Mal zu Firmen im Stadtgebiet von Celle und in Nienhagen.

Weniger emotional schreite das Thema Inklusion im Wohnbereich voran. So wird in Bergen das Wohnen im Wald ins Konversionsgebiet verlegt. Auch in der Samtgemeinde Wathlingen sind neue Wohnformen geplant. In der Stadt Celle soll bald ein Wohnprojekt im Stadtteil Hehlentor umgesetzt werden.

Von Dagny Rößler