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Celle Ortsteile Licht ins Dunkel der Vergangenheit
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Licht ins Dunkel der Vergangenheit
12:55 17.06.2012
Von Oliver Gatz
Mit einem Spezialbohrer nimmt der Bauhistoriker Stefan Amt Holzproben aus dem Geb‰lk des Glockenturms an der Gertrudenkirche. Quelle: Peter M¸ller
Altencelle

Wann ist der hölzerne Glockenturm der Gertrudenkirche in Altencelle errichtet worden? In welchem Zustand ist er? Und welche Kenntnisse hatten die Baumeister in der damaligen Zeit? Diesen Fragen ist am Wochenende ein wissenschaftliches Team um den Bauhistoriker Stefan Amt aus Hannover nachgegangen.

„Der Turm ist noch nie untersucht worden", erläuterte Amt. Um genauere Kenntnisse über das Datum der Errichtung zu erlangen, nahm der Denkmalpfleger des Bistums Hildesheim drei bis vier Holzproben aus dem Gebälk. Dabei unterstützten ihn sechs Studenten aus Braunschweig. Mit einem Spezialbohrer zog der Wissenschaftler fingerdicke Bohrkerne aus den Balken. Ein Fachbüro im Ammerland wird diese per Computer analysieren und anhand der Jahresringe das Fälldatum auf das Jahr genau ermitteln.

In der Regel wurde seinerzeit das Holz ein Jahr später nach dem Fällen verbaut, so dass man zu einer sehr exakten Datierung kommt. Die Ergebnisse der Proben erwartet Amt, der einen Lehrauftrag an der Uni Braunschweig hat, in zehn bis 14 Tagen. Besonders teuer ist die Analyse nicht. Eine einzelne Auswertung kostet lediglich 50 bis 60 Euro, kann aber Erstaunliches zu Tage fördern.

Im Rahmen seines privaten Forschungsvorhabens hat Amt bereits sechs Glockentürme im Heidekreis unter die Lupe genommen. Dabei nahm er zum Teil gravierende Umdatierungen von mehreren Jahrhunderten vor. „Dieser hier in Altencelle ist völlig anders konstruiert als die anderen, die ich untersucht habe", berichtete der 51-Jährige. „Hier ist auf Sicherheit gebaut worden." Weniger Holz hätte auch gereicht.

Deshalb vermutet der Experte, dass der Bau des Turms jüngeren Datums ist. Bislang gibt es in der Fachliteratur Annahmen, die von „um 1500" bis in das 17. Jahrhundert reichen. Außerdem wird spekuliert, ob nicht bereits vorher an der Stelle ein Turm stand, der durch ein Feuer zerstört wurde.

Amt geht davon aus, dass das Holz aus der näheren Umgebung kam. Er entdeckte auch viele Reparaturhölzer, die zum Teil schlecht verarbeitet wurden. Im oberen Bereich des Turms fand der Wissenschaftler, der seit bereits 30 Jahren historische Bauforschung betreibt, an zwei Stellen Feuchtigkeitsschäden, die aber nicht die Substanz der Konstruktion bedrohen.

Pastorin Helke Ricker beobachtete das Team bei seinen Untersuchungen. Die Geschichte des Turms sei nebulös, sagte sie. Deshalb sei die Frage spannend, ob man zu neuen Erkenntnisse gelange. „Das hat auch eine Bedeutung für die Menschen hier vor Ort", so die Pastorin.