Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Lobetal-Bewohner im „Kunze“-Fieber
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Lobetal-Bewohner im „Kunze“-Fieber
12:26 02.09.2013
Heinz Rudolf Kunze und seine Band Räuberzivil traten - vor 2000 Besuchern auf der Bühne der Lobetalstiftung in - Wietzenbruch auf. Quelle: Gert Neumann
Wietzenbruch

Da atmete Heinz Rudolf Kunze erst einmal tief durch. „Das habe ich nicht gewusst. Wir werden gebucht, fahren hin, liefern unsere Leistung ab. So geht das. Dann hätten wir uns für ein reines Rock-Konzert entschieden“, sagte er.

Doch Bedenken, so er sie denn ernsthaft hatte, zerstreuten die gut 2000 Besucher, unter ihnen 1800 zahlende, schneller, als sie aufkommen konnten. Schon die Vorband „Premium Flavour“ mit ihren Rocksounds hatte tief in die Kiste der Welthits der 60er- bis 70er-Jahre gegriffen und die Besucher emotional aufgenommen. Roy Orbisons „Pretty Woman“ war ebenso vertreten wie „Get out of my cloud“ von den Rolling Stones, um zwei Top-Hits aus einer umfangreichen Nabelschau des Rock-Genres zu nennen.

Als Heinz Rudolf Kunze und Co. die Bühne betreten, ist die Stimmung schon hochgekocht. So hoch, dass der Künstler sein Programm leicht änderte und auf die gesprochenen Zwischentexte zu den einzelnen Stücken verzichtete. Die gehören normalerweise zum „Räuberzivil“, verpufften aber in der positiv aufgeheizten Stimmung.

„Also verzichteten wir darauf, obgleich sie eigentlich die Sache erst richtig rundmachen“. Dennoch keine Verstimmung beim Künstler, der sich nach dem Konzert sogar in bester Stimmung befand. Denn auch die leiseren Töne waren angekommen. Was zu einem großen Teil auch der Spontanität der Lobetal-Bewohner zuzuschreiben war. „Ungewöhnlich schön sei es gewesen“, war auch Gitarrist Wolfgang Stute sehr angetan.

Den Mellendorfer Künstler Heinz Rudolf in ein musikalisches Korsett zu stecken, ist spätestens nach seiner ersten Räuberzivil-Scheibe 2006 nicht mehr möglich. Als Deutsch­rocker hatte sich der studierte Germanist schon vor 30 Jahren einen Namen gemacht, nachdem die Musik einem universitären Werdegang Kunzes den Riegel vorgeschoben hatte. Den Stoff für seine Musik gewinnt er übrigens aus dem täglichen Leben, den Nachrichten, der Presse und dem Fernsehen.

Den Vorwurf, zu hart mit den Themen ins Gericht zu gehen, lässt er nicht gelten, ätzend sei er in seinen Texten schon gar nicht. „Er sei wahrhaftig. Wenn etwas ätzend ist, sind es die Umstände in der Welt, nicht er. Gelegentlich müsse man aber die Dinge zuspitzen, um Gehör zu bekommen“.

Die Texte zu seinen Kompositionen findet nicht er, sie finden ihn. Deshalb schreibe er jeden Tag. „Ich bin nur ein Protokollant“, sagt der Mann noch unmittelbar vor dem Lobetalkonzert. So sei er zu seinen Texten und auch zu seinen Musikerfreunden Wolfgang Stute, Peter Pichel und Hajo Hoffmann als Band „Räuberzivil“ gekommen.

Aus dem Rockerleben aussteigen, das könne er sich allerdings auch nicht vorstellen. Wie das Yin und das Yang der Buddhisten brauche er beide Varianten, um im Gleichgewicht zu bleiben: Die Rockband und „Räuberzivil“ sind die beiden Pole, zwischen denen er seine künstlerischen Leidenschaften ausleben kann.

So war es ein Abend, an dem die Musiker und die Besucher gleichermaßen ihre Freude hatten. Ein Abend, an dem Kunze eine breite Palette ausgezeichneter Musik und Texte ausbreitete. Lieder wie „Dein ist mein ganzes Herz“ machten ihn berühmt. Doch sein „Im nächsten Leben werd ich Spielerfrau“, „Sie hassen dich“, „Mach es wie ich“ oder „Räuberzivil“ sind auch absolute „Ohrwürmer“.

Von Gert Neumann