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Celle Ortsteile Lobetal-Mitarbeiterin ermöglicht Geschwistertreffen in Belgien
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Lobetal-Mitarbeiterin ermöglicht Geschwistertreffen in Belgien
17:13 28.12.2016
Nach vielen Jahren konnte Bärbel Bräutigam (links) ihre Geschwister bei einer großen Geburtstagsfeier wiedersehen. Heilerziehungspflegerin Ursula Paßberg begleitete sie nach Lüttich. Quelle: Michael Schäfer
Wietzenbruch

Seit fünf Jahren lebt Bärbel Bräutigam in der Celler Lobetalarbeit. Ihre Schwester Isolde, die sich bis dahin um die heute 72-Jährige gekümmert hatte, war in der Folge eines Wohnungsbrandes ums Leben gekommen. Ihre anderen zwei Schwestern leben weit weg und schreiben regelmäßig Briefe. Bräutigams Schwester in der Schweiz hatte sie im Jahr 2008, die Schwester in Belgien 1997 zuletzt besucht.

Nun stand in Belgien der 80. Geburtstag der Schwester Gerda an. Von dieser Feier hatte Bräutigam auch Lobetal-Mitarbeiterin Ursula Paßberg erzählt. Da der Heilerziehungspflegerin die innere Verbundenheit der Geschwister schon früher aufgefallen war, überlegte sie, Bärbel Bräutigam mit einer Reise nach Belgien zu überraschen.

Bislang organisierte Paßberg schon einige Freizeiten für Lobetal-Bewohner, doch vier Tage und insgesamt 900 Kilometer war sie noch nicht unterwegs. "Mir ist es wichtig, dass die Bewohner auch mal aus Lobetal herauskommen", betont die 52-Jährige.

Paßberg nahm Kontakt mit Gerda Bräutigam auf und deren rührende Reaktion bestärkte die Heilerziehungspflegerin. Über Köln und Aachen fuhren die beiden Lobetaler nach Lüttich (Liège). „Habe ich zu hoch gesungen?“, fragte die Lobetal-Bewohnerin selbstkritisch nach mehrstündiger Schlagerbeschallung im Auto inklusive Gesangseinlagen.

Auch 19 Jahre nach ihrem letzten Besuch erkannte Bräutigam ihr Ziel in einem Lütticher Arbeiterviertel sofort wieder, wo jedes der roten Reihenhäuser dem anderen gleicht: „Das ist die Nummer 6, hier wohnt meine Schwester Gerda.“

In Lüttich verbrachten sie vier erlebnisreiche Tage – zum Beispiel beim Spaziergang an der Maas, einem Besuch der St.-Pauls-Kathedrale oder des futuristisch anmutenden Bahnhofes Liège-Guillemins. Höhepunkt war der 80. Geburtstag von Gerda Bräutigam. Auch Schwester Leni Perren aus der Schweiz war angereist. „Sie sind unser Engel“, sagten die Geschwister zu Paßberg und waren dankbar, dass sie dieses Familientreffen ermöglicht hat. Auch Bärbel Bräutigam genoss die Zeit in vollen Zügen. Doch zum Schluss sagte sie: „Dann können wir jetzt nach Hause fahren, ich hab schon alle Geschenke“.

Auf der Rückfahrt kam Bärbel Bräutigam ins Nachdenken und fragte: „Vermisst du auch Gerda und Leni?“ „Ja“, bestätigt Ursula Paßberg. Was das Reisen angeht, scheint die Lobetal-Bewohnerin auf den Geschmack gekommen zu sein. Beim Anblick eines landenden Flugzeugs in Hannover dachte sie laut: „Im nächsten Urlaub möchte ich nach Hongkong oder Südafrika.“

Von Dagny Rößler