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Celle Ortsteile Mädchen wollen Freiheit in Celle nutzen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mädchen wollen Freiheit in Celle nutzen
18:51 10.10.2016
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. In ihrer früheren Heimat im Vorderen Orient war das Leben der sieben Mädchen, die jetzt in Celle wohnen, vorbestimmt: Sie durften nicht ohne die Begleitung ihres Bruders das Dorf verlassen. Als Jugendliche machen nur die Jungen einen Führerschein, weil die Mädchen nicht Auto- oder Mopedfahren dürfen. Junge Frauen werden verheiratet, bekommen viele Kinder und kümmern sich um die Hausarbeit. Was für deutsche Frauen nach überholten Klischees klingt, ist für Mädchen im Irak und Syrien Realität.

Das neue Leben der Mädchen in Celle sieht ganz anders aus: Nach ihrer Ankunft haben sie erst einmal richtig Fahrradfahren gelernt. Hier in Klein Hehlen tuscheln die Nachbarn nicht, wenn die Mädchen gemeinsam und ohne ihre Brüder in den Bus steigen, um in der Innenstadt bummeln zu gehen. Selbst die Mädchen im Grundschulalter haben sich mit ihren Freundinnen schon einmal darüber ausgetauscht, was sie später vielleicht mal werden wollen.

Der heutige Weltmädchentag ist eine gute Gelegenheit, sieben junge Damen aus dem Irak und Syrien, die nun in Celle zur Schule gehen, einmal nach ihren Berufswünschen zu fragen. Den Aktionstag ins Leben gerufen hat vor vier Jahren das Kinderhilfswerk "Plan International Deutschland", das sich weltweit für Bildung und gleiche Chancen für alle Mädchen einsetzt.

Kamilla (15) möchte Arzthelferin werden

"Als Arzthelferin kann ich mich um andere Menschen kümmern. Da ich Arabisch und Kurdisch spreche, kann ich Migranten beim Übersetzen helfen", erzählt die 15-jährige Kamilla. Vor den Herbstferien hat eine Lehrerin von der Oberschule Celle I Schüler nach ihren Ferienjobs gefragt. "Im Irak war das unmöglich, weil es gar keine Jobs gab."

Shaima (18) will als Polizistin arbeiten

"Ich kann mir jetzt vorstellen, Polizistin zu werden", erklärt Shaima. "Im Irak ist es für Frauen schwierig. Hier sind die Chancen besser und es gibt Gesetze, die ich vertreten kann", betont die 18-Jährige.

Das Malerhandwerk ist etwas für Shaha (18)

"In der Schule habe ich gern gemalt und ich habe Lust darauf, als Handwerkerin zu arbeiten", sagt Shaha, die die Axel-Bruns-Schule besucht. In ihrer früheren Heimat im Irak ist es nicht üblich, dass Frauen auch am Bau eines Hauses beteiligt sind.

Amiras (17) Traumberuf ist Krankenschwester

"Schon als ich klein war, habe ich davon geträumt, einmal Krankenschwester zu werden", erzählt Amira. Die 17-Jährige findet es schön, andere zu trösten und sie zu fragen, wie es ihnen geht.

Dlinirak (9) möchte als Anwältin helfen

"Neulich habe ich im Fernsehen einen Film mit einer Anwältin gesehen, der mir sehr gefallen hat", sagt Dlinirak. Seitdem kann sich die Neunjährige vorstellen, einmal vor Gericht Mandanten zu vertreten.

Als Musikerin will Jeylan (10) auftreten

Seitdem ihr die Eltern in der Türkei eine Gitarre gekauft haben, möchte Jeylan aus Syrien gerne Musikerin werden. Im Moment besucht die Zehnjährige die Grundschule in Klein Hehlen und nutzt jede Gelegenheit, um zu üben.

Hiba (10) möchte Medizin studieren

Auch Hiba will anderen Menschen in Notsituationen helfen. Deswegen möchte die Zehnjährige später mal studieren und im Krankenhaus als Ärztin arbeiten.

Von Dagny Rößler