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Celle Ortsteile Mieten steigen – Hartz-IV-Empfänger besorgt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mieten steigen – Hartz-IV-Empfänger besorgt
18:29 06.08.2010
Von Oliver Gatz
Mieten steigen: Die Wohnanlage Veilchengrund in Vorwerk wird derzeit saniert. Quelle: Peter Müller
Vorwerk

Sabine S. (Name von der Redaktion geändert) ist Hartz-IV-Empfängerin und lebt mit ihrem Kind in der Wohnanlage Veilchengrund in Vorwerk. Im Zuge der Sanierung der 36 Mehrfamilienhäuser werden die Mieten steigen. Die 35-Jährige befürchtet, dass der Landkreis die Unterbringungskosten nicht mehr voll tragen wird und sie sich eine neue Bleibe suchen muss. „Man bekommt eine Mieterhöhung. Meckern darf man nicht. Und wenn doch, dann kommt die Antwort: ,Wenn es Ihnen nicht passt, dann ziehen Sie doch aus’“, schimpft die Mieterin.

Der Anhebung der Kaltmiete stehe eine deutliche Reduzierung der verbrauchsabhängigen Nebenkosten um bis zu 50 Prozent gegenüber, sagt Eva-Maria Hermes von der KWG Kommunale Wohnen AG. Das Unternehmen ist Eigentümerin der Anlage. Nach einer Beispielrechnung der KWG beträgt die derzeitige Kaltmiete für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 73 Quadratmetern 292 Euro. 210 Euro fallen für Betriebskosten und Kosten für Heizung und Warmwasser an. Daraus ergibt sich eine Warmmiete von 502 Euro. Zukünftig wird für dieselbe Wohnung eine Kaltmiete von 372,30 Euro fällig. Die prognostizierten Nebenkosten gibt das Unternehmen mit 161 Euro an, so dass sich eine Warmmiete von 532,90 Euro ergibt. Im Ergebnis ist die Modernisierung für die Bestandsmieter in diesem Fall also mit einer Mieterhöhung von rund 30 Euro verbunden.

„Die KWG hat im Vorfeld Listen zur Kostenübernahme vom Landkreis Celle angefordert“, erläutert Hermes. „Im Ergebnis wurde ersichtlich, dass es sich bei der Entscheidung für die Kostenübernahme immer um eine Einzelfallentscheidung handelt, die von den individuellen Umständen des Antragstellers abhängig ist.“ Aktuell liege der KWG eine Kostenübernahmebestätigung vom Landkreis für einen neu abgeschlossenen Mietvertrag vor. Dies zeige, dass der Kreis als Kostenträger den neuen Mietpreis – bezogen auf diese Einzelfallentscheidung – für angemessen halte.

Auch der Landkreis macht deutlich, dass die Leistungsansprüche von Hartz-IV-Empfängern im Einzelfall geprüft würden. „Entscheidend ist die Brutto-Kaltmiete“, erläutert Ralf Schumann, Leiter des Kreis-Sozialamtes. Nach dem Wohnungsmarktgutachten beträgt die Kaltmiete samt „kalter“ Betriebskosten für eine 60 bis 75 Quadratmeter große Wohnung in Celle 480 Euro. Heizkosten würden für eine dreiköpfige Familie in einer 73 Quadratmeter großen Wohnung mit Ölheizung in Höhe von 78 Euro erstattet werden. Werden die „kalten“ Betriebskosten zur zukünftigen Kaltmiete der KWG hinzugerechnet, müsste der Gesamtbetrag bei dieser Beispielrechnung immer noch im erstattungsfähigen Bereich liegen.

Schumann rät den Hartz-IV-Empfängern des Veilchengrunds, sich mit ihren Sachbearbeitern in Verbindung zu setzen, wenn Klarheit über die Mieterhöhung herrscht.