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Celle Ortsteile Mietexplosion im Celler Hot Spot
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mietexplosion im Celler Hot Spot
18:50 18.02.2014
Von Michael Ende
In der Witzlebenstraße werden bereits die ersten Erdwärme-Bohrungen niedergebracht. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle

KLEIN HEHLEN. Das, was die Deutsche Geothermische Immobilien PI GmbH (DGI PI GmbH) unter anderem im Celler Stadtteil Klein Hehlen plant, soll mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro das größte oberflächennahe Geothermie-Projekt in Deutschland werden. Bezahlen sollen das unter anderem die Mieter der Blöcke im Bereich Witzlebenstraße, Beckstraße, Goerdelerstraße, Lortzingstraße und Händelstraße. Ihnen hat die DGI PI GmbH als neue Eigner der in die Jahre gekommenen Immobilien drastische Mieterhöhungen angekündigt. Die Betroffenen sind entsetzt.

Jutta Baumann (Name geändert) gehört zu denen, die jetzt Post von der DGI PI bekommen hat. Darin steht, dass man den Block, in dem Baumann seit 19 Jahren in einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Balkon lebt, von der Hamburg Royal Properties GmbH gekauft habe und das Objekt umfangreich sanieren und seine Energieversorgung auf Erdwärme umstellen wolle. "Im selben Atemzug hat man mir mitgeteilt, dass meine Miete um 200 Euro erhöht werde", berichtete die Krankenschwester, die derzeit eine Kaltmiete von 324 Euro bezahlt, zu der noch Nebenkosten von rund 270 Euro kommen: "Diese Mietexplosion ist schon happig, auch wenn der neue Vermieter sagt, er bewege sich damit im gesetzlichen Rahmen." "Vorsorglich dürfen wir Sie darauf hinweisen, dass die Mieterhöhung nicht dazu führen wird, dass die ortsübliche Miete für vergleichbaren Wohnraum um mehr als 20 Prozent überschritten wird (§ 5 WiStG)", heißt es dazu seitens der DGI PI, die Baumann als Alternative anbietet, ihren Mietvertrag umgehend zu kündigen.

Hunderten Mietern geht es jetzt ähnlich wie Baumann, denn das aktuell erstandene Wohnimmobilien-Portfolio der DGI AG in Celle umfasst 250 Wohnungen, die an zwei Standorten in unmittelbarer Nähe voneinander in den Jahren 1963 bis 1967 in massiver Bauweise errichtet worden sind. Nach Investor-Angeben geht es um 52 Wohngebäude mit einer Wohnfläche von 17.396 Quadratmetern. Die lokalen Behörden, namentlich Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) hätten das Großprojekt "mit viel Engagement" unterstützt, heißt es seitens der DGI AG. "Ich finde es bedenklich, wie unser Herr Mende da mitmacht", so Baumann. Mit "sozialem Wohnungsbau" habe die aktuelle Entwicklung jedenfalls nichts mehr zu tun: "Viele Betroffene sind alt oder haben extrem wenig Geld - die sind schockiert."

Dazu bestehe "absolut kein Anlass", sagt DGI-Vorstand Christoph Trautsch, der weiß, dass viele Mieter jetzt von "unangenehmen Gedanken" beschlichen werden. Ihnen müsse erst noch aufgehen, dass die Sanierung der Gebäude und die Umstellung auf Geothermie-Nutzung bisher ungeahnte Chancen eröffne - zum Beispiel die, dass die Mietpreiserhöhung eventuell gar nicht so gravierend wie zunächst angekündigt ausfallen müsse. Trautsch bietet seinen Mietern eine Energie-"Flatrate" nach dem so genannten "Trautsch-Modell" an. Hierbei würden die Energiekosten für Warmwasser und Heizung auf dem gegenwärtigen Niveau festgeschrieben und sogar garantiert: "Durch die Erdwärme Nutzung bremsen wir den stetigen Anstieg der Energiekosten, wie er bei konventionellen Versorgungen vorherrscht, einfach aus. Das ist eine Win-Win-Situation."

Trautsch will mit seinen Celler Mietern ins Gespräch kommen, und lädt am Sonnabend, 1. März, um 11 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Hotel Celler Tor ein. Jutta Baumann wird auch dort sein. Sie bleibt skeptisch, will sich einen Anwalt nehmen: "Ich war schon bei einem - aber der hat mir gesagt, dass er für den Vermieter arbeitet." Die Mieterin trägt sich mit Umzugsgedanken: "Ich habe mir schon eine andere Wohnung angesehen - in Celle gibt es ja seit dem Abzug der Briten mehr als genug freie Wohnungen."