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Celle Ortsteile Mit Fahrrad auf Abenteuersuche
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mit Fahrrad auf Abenteuersuche
12:24 24.11.2017
Als Mitglied der Mot-Verkehrspolizei-Staffel Celle ist Jürgen Lentzsch (rechts unterwegs bei Ehlershausen 1965) auch oft die Grenze zur damaligen DDR abgefahren. Nach dem Mauerfall unternahm er zahlreiche Abenteuer-Fahrradtouren in die neuen Bundesländer. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

KLEIN HEHLEN. Wobei Jürgen Lentzsch schon immer Zweirad fuhr: Als Angehöriger der Mot-Verkehrspolizei-Staffel Celle war er in den 1960er Jahren täglich mit seinem Dienstmotorrad unterwegs. „Zwischen der Stadtgrenze Hannover im Süden und im Norden bis zur Kreisgrenze Harburg und von der Landkreisgrenze Neustadt am Rübenberge bis zur Grenze zur DDR war unser Zuständigkeitsbereich. Wir waren 30 Kollegen, hatten sieben Kräder und ein Funkkrad“, blickt er zurück. Auf zehn Kontrollstrecken patrouillierten er und seine Kollegen in Früh- und Spätschichten den Bereich. „Meine Lieblingsstrecke war an der DDR-Grenze zwischen Oebisfelde und Bodenteich.“ Da konnte er von der anderen Seite der Grenze Hühner gackern und Trecker fahren hören: „Nur gesehen habe ich nichts.“ Kein Wunder, dass er diesem Abschnitt auch nach seinem Dienstende im Jahr 2000 durch Radtouren treu verbunden blieb.

Dabei sind es keine Radtouren im herkömmlichen Sinne, die der Klein Hehlener macht: Jürgen Lentzsch liebt das Abenteuer. „Ich übernachte immer wenn es geht in der freien Natur. Ich brauche eigentlich nichts.“

Liebend gern nutzt er einsame Ruinen, Industriebrachen, stillgelegte Ziegeleien oder abgelegene Schuppen, Ställe oder Heuschober, um nach Fahrradetappen geruhsame Nächte zu verbringen – nur im Schlafsack, ohne Isomatte. „Immer allein, immer ohne Mitfahrer. Denn dann brauch ich auf niemanden Rücksicht zu nehmen und kann selbst entscheiden, ob ich rechts- oder linksrum oder doch geradeaus fahren will“, begründet er seine Solotouren, die ihn auf die Insel Poel, auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst oder auch nach Gardelegen oder Tangermünde führten.

„Elbfähre Bleckede 1990“ hat er in seiner Notizsammlung stehen. Oder Fahrscheine der Fähre Sandau von 2004 und 2005 sind sorgfältig eingeklebt. Oder auch ein Ticket der Harzer Schmalspurbahn Drei Annen–Nordhausen von 2007. „Da bin ich insgesamt 1200 Kilometer gefahren und habe 16 Nächte draußen übernachtet“, erinnert sich Lentzsch an die Tour. Oder an die Fahrt im Jahr 2009, während der er auch die Fähre Westprignitz für einen Euro benutzte: „Da hab ich vier Tage lang in einem Minizelt unter einer hohlen Weide direkt an der Elbe übernachtet. Das war gegenüber Höhbeck bei Gartow auf der Nordseite des Flusses im heutigen Biosphärenreservat Elbtalaue. Da ist auch das Steilufer der Schwedenschanze.“

Allerdings: „Nee, ich habe nie irgendwelche Fotos bei meinen Touren gemacht – ich habe alles im Kopf gespeichert.“

Wohin ihn die nächste Tour im kommenden August führen wird, weiß Lentzsch heute noch nicht. Er sagt nur: „Es kribbelt - mich reizt das Abenteuer.“ Vielleicht wird es eine Fahrt ins Blaue, vielleicht in die Gegend von Klötze oder so oder an den Rudower See bei Lenzen.

Lentzsch weiß aber: „Auf Friedhöfen gibt es immer Wasser – und gelegentlich auch an den Friedhofskapellen Dachüberstände, unter denen ich prima übernachten kann.“ Sagt es und verabschiedet sich auf seinem Fahrrad: „Ich muss noch Dinge erledigen und zum Schuster.“ Täglich fährt Jürgen Lentzsch seine Runden. Mal länger, mal kürzer. Einfach bequem.

Von Lothar H. Bluhm