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Celle Ortsteile Mit Fahrrad ganz nah an Schöpfung
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mit Fahrrad ganz nah an Schöpfung
14:57 29.09.2017
Der Wietzenbrucher Pastor Diemo Rollert, hier mit seinem 27 Jahre alten italienischen Rennrad, fährt mit seinem Fahrrad auch gerne mal zu Terminen in Hannover. Quelle: Christina Matthies
Celle

Auch zur wöchentlichen Mitarbeit bei der Chatseelsorge der Landeskirche radelt Rollert in schöner Regelmäßigkeit mit seinem Mountainbike nach Hannover. „Die Mitarbeiter dort mussten sich erstmal dran gewöhnen, dass da dienstags auch schon mal ein nasser, verschmutzter Mann vor der Tür stehen kann“, meint er und lacht. „Aber die Zeit, die ich auf dem Rad bei der Fahrt zu meinem Terminen verbringe, ist Freizeit für mich – Freizeit, und damit auch Lebensqualität.“

Seine Leidenschaft für das Fahrrad hat der 43-Jährige schon früh entdeckt. Mit 15 Jahren sei er über das Schwimmen zum Triathlon und schließlich zum Radfahren gekommen, erzählt er. Seither habe er Feuer gefangen – und sein Enthusiasmus hat ihn bis heute nicht losgelassen. „Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, das hat für mich eine Dimension von Auftanken. Ich will nicht sagen, dass Radfahren Religion ist – aber man ist schon ganz nah dran an der Schöpfung.“

Privat gilt Rollerts ganze Liebe seinem italienischen Rennrad, das inzwischen schon fast 27 Jahre auf dem Buckel hat. „Mit ihm habe ich meine ersten Triathlons gemacht – mit 17, 18 war meine Begeisterung für Sport ganz groß, ich habe sehr viel trainiert.“ Nach dem Abitur ist der Wietzenbrucher Pastor mit seinem Rennrad zudem drei Monate lang quer durch Europa gefahren. „Mit einem Freund ging es von Sizilien bis zum Nordkap – eine tolle Erfahrung.“ Auch seine erste Vättanrundan – die 300 Kilometer lange Radrundfahrt durch Schweden ist eine der größten Breitenradsportveranstaltungen der Welt – hat Rollert mit diesem alten Rennrad absolviert. „2013 war das, und ich bin jämmerlich im Regen eingegangen“, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich war komplett durchweicht und meine Finger waren durchgefroren, da musste ich aufgeben.“

In den letzten Jahren hat der 43-Jährige allerdings keine tagelangen Radtouren mehr gemacht. „Ein anspruchsvoller Job, eine Familie mit zwei Kindern – es ist jetzt eine andere Lebensphase, und die größeren Touren fehlen mir auch nicht.“ Im kommenden Jahr will er es trotzdem noch einmal wissen: Dann startet er wieder auf der Vättanrundan, denn mittlerweile sei er mit neuem Fahrrad zwar zweimal bis ins Ziel gekommen, habe aber mit seinem inzwischen hochbetagten italienischen Rennrad noch eine Rechnung offen. „Diesmal will ich es mit dem alten Rad schaffen – das dauert dann vielleicht eine Stunde länger, weil die Schaltung nach 27 Jahren auch nicht mehr so präzise läuft. Aber dann ist das eben so.“

Von Christina Matthies