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Celle Ortsteile Mit Forscherkoffer und Lupe
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Mit Forscherkoffer und Lupe
22:10 19.04.2013
Kinder des - AWO-Kindergartens und der Hehlentorschule Celle erleben das „Projekt - Brückenjahr“ - im Wald. Quelle: Aneka Schult
Scheuen

„Reh, Vorsicht, es geht los“. Tim aus der Klasse E7 der Hehlentorschule kniet als Fuchs mit verbundenen Augen auf dem Waldboden und hält gespannt einen Zapfen in der Hand. Um ihn herum schleicht ein Reh – Amelie aus der E7. Auch allen anderen Kindern, die sich samt Lehrer- und Erzieherinnen der Grundschule und des AWO-Kindergartens bei der Hand nehmen und einen Kreis bilden, machen die Tage in einem Waldstück in Scheunen großen Spaß.

Im Rahmen des „Projekts Brückenjahr“ haben sie abenteuerlustig ihre Rucksäcke gepackt. „Das Prinzip des Brückenjahrs ist, dass es den Übergang von der Kita in die Grundschule gestalten soll“, erklärt Cornelia Temmler, Lehrerin an der Hehlentorschule das Projekt. „Die Zusammenarbeit im Brückenjahr bezieht sich auf die Hehlentorschule und die drei Kindertagesstätten unseres Stadtteils Hehlentor – AWO-Kita, Kita Kapellenberg und Tortenstück“, ergänzt Gisela Krüger, Leiterin des AWO-Kindergartens.

Hatten 2012 und in den Jahren zuvor zukünftige Schulkinder und Grundschüler der Eingangsstufe im sogenannten „Leuchtturm“ gemeinsam in Kleingruppen gearbeitet und sich so gegenseitig kennengelernt, hat man sich in diesem Jahr, aufgrund des anstehenden Abrisses des Leuchtturms, eine Alternative ausgedacht. „Mir gefällt das hier sehr gut, weil die Kinder das Walderlebnis haben“, meint Temmler. „Leichter noch als im geschlossenen Raum finden angehende und Schulkinder zueinander und können sich beschnuppern.“ In mehreren Gruppen wurde über die Dauer von zwei Wochen für je drei Tage unter der fachkräftigen, informativen und spielerischen Anleitung der Waldpädagogin Ute Lange, zertifiziert von den Niedersächsischen Landesforsten, der Wald entdeckt. „Ich bin quasi die Lehrerin im Wald“, lächelt sie und brachte sogar ausgestopfte Füchse zur Anschauung mit. „Mein Ansatz ist es, den Kindern Wald als Lebensraum näherzubringen. Mit all ihren Sinnen sollen sie ihn begreifen, erfühlen, ihn sich erobern. Nur, was man schön findet, schützt man auch.“ Nicht lehrhaftes Vermitteln, sondern selbstständiges Erkunden steht im Vordergrund.

Für die Kinder ist es ein Abenteuer. Eine zwischen Bäumen gespannte Plane schützte sie bei einem Regenguss. Eine Kuhle lockt täglich als stilles Örtchen. Mit Forscherkoffern und Lupen rückt man Naturgeheimnissen wie Tausendfüßlern und Moosen auf den Pelz und natürlich wurden Baumtipis gebaut. „Wir waren drei Tage beschäftigt“, sagt Tim stolz. „Der Regen war uns egal. Wir haben auch die AWO-Kinder reingelassen.“ „Schön, dass der Freiraum mit soviel Freude genutzt wird“, findet Petra Mowinkel, Erzieherin am AWO-Kindergarten, die über das bereits angeeignete Sachwissen der Kinder staunt und feststellt, wie der unebene Waldboden die Motorik schult. „Hier können sie toben und forschen, andere ziehen sich beobachtend zurück.“ So Anna und Sofie aus der Grünen Gruppe, die am liebsten auf einem Hügel sitzend Waldluft und Stille genießen. „Es ist schön gemütlich“. Doch für „Räuber und Gendarm“ waren auch sie zu haben. Aneka Schult

Von Aneka Schult