Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Momsen und Brodowy: Mal beschaulich, mal ketzerisch
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Momsen und Brodowy: Mal beschaulich, mal ketzerisch
22:43 11.02.2015
Der Hannoveraner Matthias Brodowy und der Hamburger Werner Momsen bei ihrem Auftritt auf Hof Wietfeldt. Beide Auftritte der Veranstaltungsreihe von „kultur querbeet“ waren ausverkauft. Quelle: Peter Bierschwale
Bennebostel

Mit Werner Momsen und Matthias Brodowy hatte die Veranstaltungsreihe „kultur querbeet“ gleich zwei prominente Kabarettisten verpflichten können. „... Och! Zwei Nordlichter sprechen sich aus“, hieß das Programm, und die Kartoffelscheune auf Hof Wietfeldt war bei zwei Auftritten komplett gefüllt. Zu Beginn philosophierten sie mal beschaulich, mal ketzerisch über das norddeutsche Lebensgefühl, gegen Ende erzählten sie auch noch einige gute Witze. Das Programm war klug zusammengestellt, und die beiden sehr unterschiedlichen Kabarettisten unterhielten ihr Publikum glänzend.

Werner Momsen ist Hamburger, Matthias Brodowy Hannoveraner, da bot sich das Thema „Norddeutschland“ als kabarettistisches Thema geradezu an. Brodowy gab mehr den feingeistigen Satiriker, der die zahlreichen Lieder gekonnt am Flügel begleitete. Hinter dem „Klappmaulkomiker“ Momsen, einer großen Puppe, steckte der Kabarettist Detlef Wutschik, der sich eher rustikal gab und zahlreiche Beiträge auf Platt brachte.

Die beiden Künstler begannen ihren „kabarettistischen Heimatabend“ zugegebenermaßen mit Klischees über die Norddeutschen, als ob die den ganzen Tag mit Sprüchen wie „Wat mutt, dat mutt!“, unterwegs wären. Zu diesen Klischees gehörte natürlich auch, dass die Norddeutschen introvertiert und wortkarg seien: „Man braucht nicht viele Worte, weil jedes Wort zählt.“ Das gefiel nicht nur dem Publikum, auch den Künstlern schien das Vergnügen zu bereiten.

Dies nahm noch Fahrt auf, als sich die beiden in Sachen „Hannover“ und „Hamburg“ zu beharken begannen. Da hatten die Celler als Nachbarn von beiden natürlich ihren Spaß, als Momsen den Hannoveranern das Norddeutsche wegen ihrer „Etepetete-Sprache“ aberkannte. Hamburg liege, meinte er später noch, ja schließlich am Meer. Wenn man jedoch von der Ihme komme, da sei ja schon bei Steinhude das Meer.

Doch schließlich einigten sie sich wieder, beide norddeutsch zu sein und sangen einträchtig: „Ja, ist man am Boßeln und fährt kein Ski, dann bin ich zuhause, dann bin ick bei mi!“ Da steuerten sie schon auf die plattdeutsche Sprache zu. Diese würde das Leben entschleunigen, meinten sie, und den Menschen mehr „Lebenszeit“ verschaffen, weil man die Dinge kurz und bündig auf den Punkte bringen könne. Das demonstrierten die beiden Kabarettisten, indem Brodowy zunächst einen inhaltslosen, aufgeblähten Kurzvortrag über die Wirtschaftskrise auf Hochdeutsch hielt. Anschließend fasste Momsen den so zusammen: „Och, nützt ja nix!“

Zwischendurch boten sie aber auch politisches Kabarett: Angesichts der zunehmenden Proteste gegen Windräder, Trassen, Funkmasten oder Asylantenheime scheine immer mehr das Sankt-Florian-Prinzip um sich zu greifen: „Ja, ich bin dafür, aber nicht vor meiner Tür!“, sangen sie gekonnt als Refrain in ihrem ironischen Lied.

Detlef Wutschik verhalf seinem Herrn Momsen zu einem hinreißenden Auftritt: Obwohl der Holzkopf Momsens zu keiner Gesichtsmimik fähig ist, konnte Wutschik das Publikum durch pointierte Kopf- und Handbewegungen in die Seele von „Herrn Momsen“ blicken lassen.

Von Peter Bierschwale