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Celle Ortsteile Nach Ei-Skandal: Celler Kunden werden kritischer
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Nach Ei-Skandal: Celler Kunden werden kritischer
11:55 06.08.2017
Am Stand von Marktfrau Angela Fischer (links) wissen die Stammkunden, woher die Eier kommen. Quelle: Christina Matthies
Celle

Ein Besuch auf dem Celler Wochenmarkt am Samstag zeigt: Sowohl Händler als auch Verbraucher setzen angesichts des jüngsten Lebensmittelskandals vermehrt auf Klasse anstatt auf Masse. „Ich kaufe sowieso immer nur Bio-Eier“, erklärt Marianne Engelhardt. „Auch Fleisch vom Discounter gibt es bei mir nicht.“ Bei Ursula Hartlieb kommen ebenfalls nur Bio-Eier in den Einkaufskorb: „Beim Thema Fipronil frage ich mich allerdings, was eigentlich mit den Hühnern ist“, sagt sie. „Das Ei ist schließlich nur das Endprodukt, da müssten die Hennen ja auch verseucht sein.“

So wie Engelhardt und Hartlieb geht es offenbar vielen Cellern: Am Stand des Großmoorer Kudamm-Hofes, ein zertifizierter Bioland-Betrieb, drängen sich an diesem Vormittag besonders viele Kunden. Und nicht wenige von ihnen fragen nach, woher die Eier denn nun genau stammen. „Sie wollen einfach sichergehen, dass sie lokale Produkte kaufen“, meint Kudammhof-Verkäufer Kilian Barits. Er verweist auf ein Infoblatt, dass sein Chef eigens erstellt hat, um besorgte Verbraucher zu beruhigen. Der Kudammhof desinfiziere seine Ställe selbst, heißt es darin, und zwar mit umweltverträglicher Ameisensäure. Zur Milbenbekämpfung werde Silikatstaub verwendet – ein feingemahlenes Gestein, das die Milben austrockne.

Ähnliche Infoblätter finden sich übrigens auch an einigen anderen Marktständen, die Eier anbieten. „Fast jeder Kunde fragt nach“, erzählt Marktfrau Angela Fischer. „Aber wir haben überwiegend Stammkunden, die wissen, woher unsere Eier kommen und dass sie unbelastet sind.“

Lebensmittelkauf sei eben Vertrauenssache, findet Herma Kilger. „Ich kaufe meine Eier immer an einem Stand hier auf dem Markt, von dem ich weiß, dass er seine Produkte von einem kleinen regionalen Betrieb bekommt. Diese Riesenmastbetriebe sind furchtbar.“ Gudrun Hoppenstedt dagegen ist der Appetit auf Eier im Moment gründlich vergangen: „Einfach grausam, man kann nichts mehr essen.“

Vor den Türen der Celler Lebensmittel-Discounter scheinen sich die Kunden ebenfalls einig zu sein: Lokal einkaufen sei der beste Weg, um Fipronil-Eier zu vermeiden. „Wir kaufen unsere Eier sowieso immer beim Bauern“, sagt beispielsweise Elisabeth Hendriok. Sie ist der Ansicht, dass auch die Verbraucher nicht ganz unschuldig daran seien, wenn ein Lebensmittelskandal den nächsten jage. „Viele wollen immer mehr Lebensmittel zu immer günstigeren Preisen – da muss man sich dann auch nicht wundern.“

Von Christina Matthies