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Celle Ortsteile „Naturgucker“ aus Leidenschaft
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile „Naturgucker“ aus Leidenschaft
10:29 08.06.2018
Von Maren Schulze
Rolf Jantz hat als „Naturgucker“ mit Kamera schon viele faszinierende Begegnungen mit Tieren gehabt. Zu seinen Lieblings­erlebnissen zählt die Sichtung eines Kiefernkreuzschnabels im Februar auf der „Heidefläche mittleres Lüßplateau“ nach zweieinhalbstündiger Suche oder auch die unerwartete Begegnung mit einem jungen Fuchs im Mai an der Fuhse bei Wathlingen. Jantz hatte eine Libelle fotografiert, ein Geräusch gehört, sich umgedreht – dann saß der Fuchs da und starrte ihn an. Quelle: Maren Schulze
Wathlingen

Auf dieser Internetseite stellen Naturbegeisterte Fotos ihrer Sichtungen ein, kommunizieren miteinander, helfen Neulingen bei der Bestimmung der Arten und tragen deutschland- und auch weltweit einen einzigartigen Schatz auch für die Wissenschaft zusammen. Welche Tiere und Pflanzen leben und gedeihen wann und wo? Die Daten werden unter anderem vom Nabu ausgewertet und geben Aufschluss über den Zustand der Tier- und Pflanzenwelt. Und stillen auch die Neugier der Naturbeoachter-Einsteiger, wie Rolf Jantz vor fünf Jahren einer war als sich sein Weg mit dem des großen, weißen Vogels kreuzte.

Heute zählt Jantz selbst zu denen, die anderen helfen, Arten zu bestimmen, unter anderem im Rahmen des Insektensommers des Nabu. Noch bis zum 10. Juni sind Naturbeobachter in einer ersten Runde aufgerufen, Insekten zu zählen, ihre Beobachtungen zu melden und über „naturgucker.de“ auch Fotos einzustellen. Wissen sie nicht, um welches Tier es sich handelt, geben die Naturgucker Hilfestellung. Und sind vielleicht ebenso fasziniert, wie Rolf Jantz es war und noch immer ist. Nach 46 Jahren bei der Volksbank Celle ist Jantz nun in der passiven Phase seiner Altersteilzeit.

Die fünf Jahre, die seit seiner Begegnung mit dem Silberreiher vergangen sind, haben sein Leben verändert. Heute bewegt er sich jeden Tag in der Natur, nennt mittlerweile etliche Bestimmungsbücher sein eigen, hat seine zweite Nikon bei seinen Streifzügen stets dabei und sich zum Beginn seines Ruhestandes ein 600-Millimeter-Teleobjekt gegönnt. Damit fängt er auf faszinierenden Bildern das Leben in der Natur ein. Zweieinhalb Kilogramm bringt die Kamera mit Teleobjektiv auf die Waage, drei Bilder pro Sekunde schießt Jantz, wenn er unterwegs ist. Ein Seeadler, der zehn Meter über seinem Kopf mit seiner Fisch-Beute durch die Lüfte gleitet, ein junger Fuchs, der sich unbedarft dem ruhig verharrenden Jantz auf wenige Meter genähert hat oder der Kiefernkreuzschnabel, der nach stundenlanger Suche im Wald bei Minusgraden nahe des Parkplatzes an einem Baum förmlich „auf ihn gewartet“ zu haben scheint. „Der leuchtend rote Vogel im Sonnenschein, das war schon toll“, sagt Jantz über dieses besonders schöne Naturerlebnis, von denen er im Laufe der Zeit viele hatte. „Es ist eine andere Art, die Natur zu erleben“, erzählt Jantz. Er hat einen ganz speziellen Blick entwickelt. „Man sieht die Welt anders.“ Den „Späher-Blick“ nennt Jantz das. Dabei geht es ums genaue Hinsehen, den Blick fürs Detail. „Bewegungen, die nicht zu den anderen passen“, sind für Jantz ein Indikator, womöglich gleich etwas Spannendes vor die Linse zu bekommen. Wenn viele Grashalme im Wind wogen und einer sich anders bewegt, dann steckt vielleicht etwas dahinter. „Sich einfach mal eine halbe Stunde ruhig hinsetzen“, für Janzt ist auch das eines seiner Patentrezepte. „Meist passiert in dieser Zeitspanne schon etwas.“ Dabei kann es vorkommen, dass der Beobachter zum Beobachteten wird. Etwa wenn ein vorwitziger Zaunkönig auf den Mann mit der Kamera aufmerksam wird und in regelmäßigen Abständen überprüft, ob er noch da ist. Wenn er sich bewegt, dann meist langsam. „Es kann schon mal sein, dass ich für 100 Meter 20 Minuten brauche“, sagt Jantz.

30.000 Bilder umfasst das Archiv des Wathlingers mittlerweile, 65.000 Beobachtungen hat er von mehr als 3000 Tier- und Pflanzenarten ins Netz gestellt. Nur in Ausnahmefällen stellt er Bilder ein, ohne den Ort zu nennen. Beispielsweise, wenn Seeadler oder Schwarzstörche brüten oder seltene Orchideen blühen. Dabei bringt ihn sein Hobby nicht nur in alle Naturidylle des Landkreises Celle, er macht sich schon auch einmal auf nach Schneverdingen, in die Region Braunschweig oder den Landkreis Gifhorn. Als „Naturgucker“ hat er auch viele neue Menschen kennengelernt. „Kollegen“ von der Plattform, aber auch andere Naturfreunde, die ihn draußen auf sein Tun ansprechen. „Für mich bleibt es spannend: Was werde ich sehen? Gelingt mir ein gutes Foto? Kann ich das Gesehene bestimmen?“ Die Relationen sind für Jantz andere geworden. „Wenn ich unterwegs bin, ist die restliche Welt ganz weit weg. Und man merkt, dass der Mensch im Gefüge der Natur keine allzu große Rolle spielt.“ Was für ihn aber vor allem zählt: „Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“