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Celle Ortsteile Naturschutz knallhart: Stadt kennt kein Pardon
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Naturschutz knallhart: Stadt kennt kein Pardon
12:06 21.02.2010
Von Michael Ende
Wenn es um Naturschutz geht, kennt die Stadt kein Pardon: Henning Meine muss seine Wasserrohre jetzt wieder aus dem Boden reißen. Quelle: Peter Müller
Lachtehausen

Ein „Schlitzohr“ nennt man den Lachtehäuser Landwirt Henning Meine im Celler Rathaus – für die Verwaltung ist das allerdings kein Grund, Meine gegenüber Milde walten zu lassen. Schließlich habe er ein Naturschutzgebiet beeinträchtigt, heißt es – und da kennt die Stadt kein Pardon.

Dabei war es Meine, der dazu beigetragen hatte, die Natur so richtig schützenswert zu machen. Heute bereue er das beinahe, sagt er: „Als die Stadt vor ein paar Jahren die Lachte renaturieren wollte, habe ich gesagt: Prima Sache, dafür könnt ihr meine Flächen nutzen.“ Dann kam die Dürre. Im vergangenen Sommer drohten Meines Flächen auf der einen Seite des Naturschutzgebietes zu vertrocknen. „Da wollte ich von meinem Brunnen auf der anderen Seite des Naturschutzgebietes eine Wasserleitung dorthin verlegen“, so Meine. Alle davon betroffenen Anlieger hätten grünes Licht dafür gegeben, nur bei der Stadt habe er auf Granit gebissen, erinnert sich Meine: „Die untere Naturschutzbehörde sagte mir, das sei im Bereich der Lachte fast unmöglich.“

Unmöglich war es nicht: Meine verlegte seine Leitung wegen der akuten Trockenheit ohne den Segen der Stadt – schließlich gehörten die Lachte-Wiesen ja ihm. Es kam, wie es kommen musste: Die Stadtverwaltung bekam Wind von der Sache, forderte Meine auf, 270 Meter Leitung durchs Naturschutzgebiet wieder herauszureißen. „Eine Beregnungsleitung kann man dort rechtlich nicht realisieren“, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. „Wir haben verfügt, dass sie beseitigt werden muss. Das Verwaltungsgericht hat unsere Auffassung bestätigt. Jetzt geht es nur noch darum, dass die Rohre möglichst schnell wieder verschwinden. Entweder durch den Landwirt oder durch unsere Ersatzvornahme.“

Zähneknirschend hat Meine jetzt in Eigenregie die Rohre wieder entfernen lassen. Mit schwerem Gerät. Der Landwirt hat insgesamt rund 10000 Euro in den Sand gesetzt: „Dabei haben wir jetzt das kaputt machen müssen, was die Stadt durch ihre Zwangsmaßnahme schützen wollte: Natur – das ist doch verrückt.“ Klar, meint er, im Nachhinein betrachtet habe er einen Fehler gemacht: „Nämlich den, mein Lande der Stadt für ihr Naturschutz-Projekt zur Verfügung zustellen. Ich wäre auch bereit gewesen, als eine Ausgleichsmaßnahme für die Leitung zu bezahlen. Aber nein – die Stadt musste das Ding ja gnadenlos durchziehen.“

Seit ein paar Tagen ist die Leitung weg. Und auch die Natur über ihr – aus Naturschutzgründen. Aus Gnatz hat Meine, der für die CDU als stellvertretender Ortsbürgermeister im Lachtehäuser Ortsrat sitzt, jetzt eine seiner Flächen gesperrt, die er ebenfalls der Öffentlichkeit einfach so zur Verfügung gestellt hatte: Seinen Privatweg im Zuge des Osterkamps. „Da habe ich jetzt die Bushaltestelle und die Busdurchfahrt dichtgemacht“, sagt er. Etwaige Beschwerden möge man an die Stadt richten: „Das ist nur eine Geste, die zwar wenig bringen wird – aber das darf ich wenigstens.“