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Celle Ortsteile Nebenkosten-Irrsinn in Celler Vorzeige-Siedlung
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Nebenkosten-Irrsinn in Celler Vorzeige-Siedlung
18:52 22.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Die Mieter in der Geothermie-Siedlung in Klein Hehlen sind aufgebracht über hohe Nebenkostenabrechnungen, die ihnen jetzt ins Haus flatterten. Quelle: Alex Sorokin
Celle

Didschies ist kein Einzelfall. Fast alle Mieter in der Geothermie-Siedlung haben eine saftige Nebenkostenabrechnung erhalten. Und nicht nur hier. Nach einem Bericht der Rotenburger Kreiszeitung hat viele Bewohner der dgi-Siedlung in Rotenburg das gleiche Schicksal ereilt.

Dabei hatten die Mieter dem Geschäftsführer der dgi, Christoph F. Trautsch vertraut, der mit dem "Trautsch-Modell" für seine Wohnungen unter anderem bei einer Informationsveranstaltung im Februar 2014 geworben hatte. Er hatte gleichbleibende Energiekosten versprochen, machbar durch die Umstellung auf Geothermie. Die Mietbelastung sei so langfristig planbar, so der dgi-Geschäftsführer, der bei der Präsentation seines Projekts davon sprach, wie gut es tue, "wenn einen dann eine dankbare ältere Dame mit Tränen in den Augen umarmt".

Tränen und zwar im wörtlichen Sinn haben die Mieter in Klein Hehlen im Augenblick auch in den Augen, allerdings aus Verzweiflung. Eine ältere Dame, die vor einiger Zeit zwei Schlaganfälle erlitten hat, weiß nicht, wie sie künftig noch die Miete zahlen soll. Eine junge, alleinerziehende Mutter ist mit einer Nebenkostenabrechnung in Höhe von mehreren hundert Euro konfrontiert. "Das kann ich nicht bezahlen", sagt die Hartz-IV-Empfängerin mit feuchten Augen. Andere beschwerten sich darüber, dass bei den Bauarbeiten von privaten Anschlüssen Baustrom "abgezwackt" worden sei, den nun die Mieter bezahlen müssten.

In der Vorzeige-Siedlung regt sich Protest. Ein Celler Rechtsanwalt hat für einige Mieter Widerspruch gegen die Rechnungen eingelegt. In allen Fällen, so der Jurist, habe Trautsch die Forderungen nicht aufrechterhalten. Und in der Tat zeichnet sich ab, dass die Rechnungen wohl zu hoch ausgefallen sein könnten.

Nach einer Anfrage der Celleschen Zeitung macht Trautsch erst einmal einen Rückzieher. "Derzeit analysieren wir die von Wilharm erstellte Abrechnung. Nach jetzigem Wissensstand darf ich Ihnen aber bereits mitteilen, dass die Mieter zeitnah eine korrigierte Betriebskosten-Abrechnung erhalten werden", kündigte Trautsch gestern gegenüber der CZ an.

Dabei würde berücksichtigt, dass keine Bau- oder Baunebenkosten auf die Mieter umgelegt würden. Der umlagefähige Wärmepumpenstrom werde bei keinem Mieter höher als 30 Euro pro Monat und Wohnung abgerechnet. "Im Einzelfall können wir uns vorstellen, die derzeit vertraglich vereinbarte Kaltmiete zu reduzieren, damit der Mieter mit der neuen Betriebskosten-Vorauszahlung weiterhin eine tragfähige und angemessene Gesamtmiete zugesichert bekommt", schreibt Trautsch. Die Mieter sollten die in den jetzt verschickten Rechnungen angegebenen Nachzahlungen erst einmal nicht begleichen, sondern warten, bis die korrigierten Abrechungen verschickt worden seien, so der dgi-Geschäftsführer.