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Celle Ortsteile Neue Runde im Lachtehäuser Rohr-Konflikt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Neue Runde im Lachtehäuser Rohr-Konflikt
13:31 26.02.2010
Von Michael Ende
Privatweg gesperrt: Lachtehäuser Bushaltestelle wurde "vom Netz genommen." Quelle: Torsten Volkmer
Lachtehausen

Hohen Besuch bekommen hat der Lachtehäuser Landwirt Henning Meine, der unerlaubt ein Wasserrohr durch die Lachteniederung gelegt hatte und es aus Naturschutzgründen mit erheblichem Flurschaden wieder herausreißen musste: Am Dienstag schaute Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende auf seiner Bürger-Besuchstour überraschend auch bei Meine vorbei. Normalerweise hätte der OB mit dem Bus direkt vor Meines Haustür vorfahren können. Doch das geht nicht: Der Landwirt hat aus Protest gegen das harte Durchgreifen der Stadt seine Privatstraße mit der dazugehörenden Bushaltestelle dicht gemacht.

„Herr Mende hat sich richtig Zeit genommen. Wir haben fast eine Dreiviertelstunde geklönt“, sagt Meine. Der OB habe sich sein Problem angehört. Versprechen können habe er nichts. Deshalb befürchtet Meine, den die Entfernung seiner während einer akuten Dürre kurzerhand verlegten Wasserleitung schon rund 10000 Euro gekostet hat, auch, dass ihm weiteres Unheil aus dem Rathaus droht: „Unter den beiden Lachte-Armen ist jeweils noch ein Stück Leitung drin. Wenn mich die Stadt dazu verdonnert, die auch noch herauszureißen, wird das Ganze noch größerer Quatsch.“ Dann müsste Meine aus Naturschutzgründen der Natur an der Lachte übel mitspielen – wahrhaft unterirdischer Naturschutz.

In der nächsten Woche hat Meine einen Termin im Rathaus. Ihm schwant nichts Gutes: „Dann wird entschieden, wie es weitergeht und ob man mir noch ein Bußgeld reindrückt. Dann müsste ich mir überlegen, ob die Stadt für die Benutzung meiner Straße, die jahrelang kostenlos war, nicht eine kleine Miete zahlen müsste.“ Fürs Erste bleibe sein Privatweg und damit auch die dort befindliche Bushaltestelle dicht: „Ich sehe ein, dass das für die Lachtehäuser nicht so schön ist, aber irgendwie muss ich mich doch wehren.“

„Wir haben eine Ersatzhaltestelle eingerichtet“, sagt CeBus-Geschäftsführer Stefan Koschick: „Unsere Kunden müssen nunmehr zusätzlich rund 500 Meter Fußweg auf sich nehmen. Wir hoffen, dass im Sinne unserer Kunden möglichst schnell der alte Zustand wiederhergestellt wird.“

Das hoffen auch Lachtehäuser Bürger wie etwa Traute Klippel-Hißbach. Sie empfindet den verlängerten Marsch zur Haltestelle zwar als lästig, hat aber durchaus Verständnis für Meine: „Naturschutz, rechtliche und unrechtliche Fragen hin und her – man fragt sich, ob da auch eine ganze Portion Willkür mit im Spiele ist, anstatt dass Sinn und Unsinn verantwortlich gegeneinander abgewogen werden und gütliche Verhandlungen zu einer allseits verträglichen Lösung hätten führen können. Was schaden schon die paar Meter Rohre der Natur im Angesicht der ungleich riesigeren verkehrstechnischen Ausmaße der geplanten Ostumgehung? Der simple Bürgerverstand versteht manchmal die Relationen – auch Kosten – nicht mehr und fragt sich, ob unflexible Paragrafenreiterei wirklich immer der Weisheit letzter Schluss sein darf.“

In Lachtehausen höre man den Amtsschimmel wirklich lauthals wiehern, meint Klippel-Hißbach augenzwinkernd zum „Behörden-Krieg“ der einen Landwirt auf die Barrikaden getrieben habe: „Oder sollte es sich da eher um einen sturen Bock gehandelt haben, der in den Clinch mit einem störrischen Esel gegangen ist?“