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Celle Ortsteile Neues Verkehrsprojekt: Radweg-Detektive ermitteln in Westercelle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Neues Verkehrsprojekt: Radweg-Detektive ermitteln in Westercelle
17:46 13.04.2016
Quelle: Michael Schäfer
Westercelle

Eine Drohne schwebt vor der Oberschule Westercelle über einer Kreuzung. Von dort oben hat die Kamera vor allem eines im Blick – nämlich die Verkehrslage auf den engen Straßen, die zu einem großen Teil von Schülern, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren, genutzt werden. Die Zahl der Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt sind, steigt stetig an. Vor allem betroffen sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. Das weiß auch Joachim Ehlers, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Celle: „Gegenüber dem Vorjahr gibt es eine deutliche Zunahme an verletzten Radfahrern. Hauptursache ist eindeutig die falsche Fahrbahnbenutzung, wozu auch das Fahren in entgegengesetzter Richtung des Radwegs zählt.“ Gerade Schüler, die auf eine weiterführende Schule wechseln, nutzen häufig ihr Fahrrad für den neuen Schulweg. Aufgrund des für sie neuen Verkehrsumfelds könne es folglich schnell zu Unfällen kommen.

Grund genug, Initiative zu ergreifen und das Projekt „Radfahrdetektive“ ins Leben zu rufen. Bereits seit Anfang der Woche setzen sich die Schüler der Klasse 9d im Rahmen einer Projektwoche mit den Problemstellen auf ihrem Weg zur Schule auseinander. Am Montag und Dienstag haben sie auf eigene Faust das Gebiet rund um die Oberschule auf gefährliche Knotenpunkte hin untersucht und dazu Grafiken und Plakate erstellt. Mithilfe von Unfallstatistiken und Karten der Polizei konnten sich die Neuntklässler bereits intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.

Nachdem sie sich eine ausführliche Grundlage verschafft haben, ermittelten die Schüler zusammen mit Schulleiter Ulf Krüger und der Polizei eifrig. Oliver Schiano, der selbst die 9d besucht, steuert die Flugdrohne souverän über die Straßen, an denen es morgens oft besonders eng wird, um einige Luftaufnahmen zu machen. Diese bieten noch einmal eine völlig neue Perspektive auf das Geschehen an den schmalen Straßen. „Besonders dann, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, Schüler mit dem Bus ankommen und dann auch noch viele Kinder auf Fahrrädern unterwegs sind, wird es gefährlich“, erklärt Schülerin Karola Mazanke. Die Olshausenstraße und Blumenstraße seien dann so überfüllt, dass kein Durchkommen mehr möglich ist. Auch die Ampel an der Hannoverschen Heerstraße sorgt für Probleme. Nach dem Überqueren der Straße müssen die Schüler entweder durch die volle Blumenstraße fahren oder aber einige hundert Meter auf der falschen Seite des Radwegs, um zur Schule zu kommen.

An Lösungsansätzen arbeiten die Schüler auch schon fleißig. So käme zum Beispiel ein Verkehrshelferdienst für die Schüler in Betracht, um den Verkehr direkt um die Schule herum zu entlasten. Dass sich die Kinder ihres Schulwegs bewusster werden und Gefahren wahrnehmen, sei laut Ehlers schon ein absoluter Erfolg. Das Pilotprojekt wurde ähnlich bereits in Nordrhein-Westfalen und Hamburg durchgeführt und es sei zu hoffen, dass es sich landesweit durchsetzt.

Von Niklas Mohwinkel