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Celle Ortsteile "Offen und ehrlich mit Thema Hähnchenmast umgehen“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "Offen und ehrlich mit Thema Hähnchenmast umgehen“
14:06 28.02.2010
Von Gunther Meinrenken
Gut besucht war der Lindenhof in Garßen. Quelle: Gert Neumann
Garßen

Normalerweise werden in Grußworten eher Belanglosigkeiten verkündet. Bei der Jahreshauptversammlung des Celler Landvolks am vergangenen Freitag in Garßen ging es hingegen gleich ins Eingemachte. Nachdem der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch bekräftige, hinter dem vom Rothkötter-Konzern in Wietze geplanten Geflügelschlachthof zu stehen, stieg sein SPD-Kollege Rolf Meyer aufs Rednerpult. Er forderte Transparenz ein und fügte am Ende hinzu. „Wir wollen keine Emslandisierung“, so Meyer vor dem Hintergrund der gerade von Kritikern des Projekts gefürchteten Errichtung von mehreren hundert Mastställen – davon auch etliche im Landkreis Celle.

Mit dieser Aussage war Meyer bei Michael Goldmann genau an die richtige Adresse geraten. Goldmann ist Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses des Bundestags, sitzt für die FDP im Parlament und kommt ausgerechnet aus dem Emsland. „Wenn man von Emslandisierung spricht, bin ich schon manchmal beleidigt. Es ist ja nicht so, dass man bei uns mit der Gasmaske spazieren fährt“, konterte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Meyers Einwurf.

Goldmann war als Gastredner zur Jahreshauptversammlung geladen worden und wollte über das Thema „Herausforderungen für die Landwirtschaft in der neuen Legislaturperiode“ referieren. Nicht nur wegen Meyers Ausführungen, sondern auch wegen seiner Erfahrungen aus dem Emsland, ging er zunächst auf die Problematik Hähnchenmast ein. 25 Millionen Hähnchen gebe es im Emsland. Weitere Anträge seien gestellt. „Wir müssen jetzt aufpassen, die Interessen der Wohnbevölkerung mit denen der Landwirte in Einklang zu bringen“, so Goldmann, der gleichzeitig betonte, dass die Bauern ein Recht auf unternehmerische Entscheidungen hätten.

Jürgen Mente, Vorsitzender des Celler Landvolkverbandes, bezweifelte, dass durch die Ansiedlung von Rothkötter jetzt überall im Landkreis die Hähnchenmastställe aus dem Boden schießen. Da sei von 100 und mehr Ställen die Rede. „Nach meinem Kenntnisstand überlegen sich derzeit gerade einmal sieben Landwirte ernsthaft, da einzusteigen“, so Mente.

Hähnchenmast sei für viele Bauern Neuland. Zuerst müsse man sich das nötige Fachwissen aneignen. „Eine Chance ist es aber allemal“, verwies Mente darauf, dass man etwa durch den Betrieb von zwei Hähnchenmastställen pro Stall Düngemittel in Höhe von 15000 Euro einsparen könne. „Wir müssen mit dem Thema offen und ehrlich umgehen“, forderte Mente die anwesenden Landwirte auf, den Bürgern für Fragen zur Verfügung zu stehen.

Kritik kam vor allem von Eckehard Niemann vom Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Er bezweifelte die von Mente genannten Zahlen des Einsparpotenzials bei Düngemitteln, die seiner Meinung nach nur bei 7500 Euro pro Stall liegen würde. „In die Hähnchenmast einzusteigen, ist unverantwortlich. Das macht den Markt kaputt“, sagte er. Bei einem derzeitigen Bestand von 2000 Ställen würde der Markt pro Jahr gerade einmal 60 neue verkraften. In Deutschland würden hingegen 600 bis 900 aufgebaut.

Darauf reagierte der FDP-Agrar-Experte Goldmann. „Für das Emsland liegen gerade Anträge für weitere 13 Millionen Hähnchen vor. Sie glauben doch nicht, dass die Landwirte das machen, wenn sie damit ihren eigenen Markt kaputt machen würden“, entgegnete Goldmann, der sich wunderte, dass „den Landwirten andauernd jemand in unternehmerische Entscheidungen hinein quatscht“.

Volles Haus bei der Kreisverbandsversammlung des Celler Landvolks. Vorsitzender Jürgen Mente (Bild rechts) forderte die Landwirte dazu auf, mit dem Reizthema Hähnchenmast offen und ehrlich umzugehen. Fotos: Neumann

Michael

Goldmann

Versammlung des

Celler Landvolks