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Celle Ortsteile Olaf Scholz zu Gast in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Olaf Scholz zu Gast in Celle
19:43 31.08.2017
Von Gunther Meinrenken
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat die Celler Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann gestern im Wahlkampf unterstützt. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Lühmann hatte Scholz unter anderem deswegen nach Celle eingeladen, weil dieser am Steuerkonzept, mit dem die SPD in den Wahlkampf zieht, mitgearbeitet hat. Kernpunkt: "Wir werden den Soli zu Beginn der 20er-Jahre abschaffen", versprach Scholz, der an diesem Punkt den Unterschied zur CDU verdeutlichte, die den Solidaritätsbeitrag für den Aufbau der ostdeutschen Bundesländer bis 2030 beibehalten möchte. "Sonst schaffen sie die versprochenen Entlastungen nicht", so Scholz. Die SPD wolle hingegen den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst ab einem Einkommen von 60.000 Euro anwenden. "Alle Einkommen darunter werden entlastet. Gegenfinanzieren wollen die Sozialdemokraten dies, indem sie diejenigen, die deutlich mehr verdienen, stärker zur Kasse bitten.

Schon nach diesem Punkt hatten die Besucher die Gelegenheit, Fragen an Scholz zu richten, die sie zuvor auf einen "Bierdeckel" mit dem Konterfei von Lühmann schreiben konnten. Eine Sorge der Gäste: Wie soll man der Digitalisierung und der damit verbundenen zunehmenden Arbeitslosigkeit begegnen? Scholz ist hier nicht so skeptisch. "Wir haben den höchsten Stand an Beschäftigten in Deutschland. Globalisierung und Digitalisierung gehen allerdings nur zusammen mit einem leistungsfähigen Sozialstaat", so Scholz.

Diese Gedanken wurden noch vertieft, als die Themen Niedriglohnsektor und Rente zur Sprache kamen. Weltweit seien 40 Prozent der Haushalte von sinkenden oder stagnierenden Einkommen betroffen. Die Menschen wählten dann Politiker, die einfache Lösungen versprechen, wie Donald Trump. Doch einfache Lösungen, so Scholz, gebe es nicht. "Wir können nicht mit den Billiglöhnen in anderen Ländern konkurrieren. Wir brauchen gute Löhne, mehr Tariflöhne und Tarifbindung. Hier sind auch die Gewerkschaften gefragt", sagte Scholz. Denn nur so käme am Ende auch eine gute Rente heraus, die zum Leben reiche. "In der Arbeitswelt der Zukunft würden nur noch etwa zehn Prozent der Jobs für Ungelernte geeignet sein. "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder mehr wissen als ihre Eltern." Studium und Berufsausbildung seien hierzu die Schlüssel.

Lühmanns Fazit: "Wir können stolz sein auf das, was wir in Deutschland aufgebaut und geleistet haben. Jetzt geht es um vernünftige Änderungen, damit der Wohlstand und die Leistungsfähigkeit auch in den nächsten zehn Jahren erhalten bleiben."