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Celle Ortsteile Ortsrat Klein Hehlen steht zu Rommel & Co.
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Ortsrat Klein Hehlen steht zu Rommel & Co.
19:02 19.03.2015
Von Michael Ende
    Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Klein Hehlen

Den Spitzen der Celler Stadtrats-Fraktionen reichten Zitate wie diese und das vom Historiker Dr. Bernhard Strebel angefertigte Gutachten aus, um den Klein Hehlenern dringend nahezulegen, die Rommel- sowie die Stülpnagelstraße umzubenennen. Zuvor hatte bereits der Scheuener Ortsrat die Umbenennung der nach dem Nazi-General Werner von Fritsch benannten Straße beschlossen.

Rommel sei für Kriegsverbrechen verantwortlich und von Stülpnagel für Pogrome, sagte Nina Graap (SPD), die im Ortsrat eine Umbenennung beantragte: „Wir müssen entscheiden, ob wir diese Menschen ehren möchten oder nicht.“ Rommel sei kein „normaler Soldat“ gewesen, sondern ein Karrierist, der auch ganz persönlich für das Nazi-Regime gestanden habe und sich von Hitler zum Star habe machen lassen, betonte Susanne Seitz (Grüne): „Dieser Mensch sollte von uns nicht geehrt werden“ – selbst wenn man ihn mit dem Widerstand in Verbindung bringe.

Siegfried Schulz (CDU) meinte, das Strebel-Gutachten halte einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht stand: „Die Personen, um die es hier geht, waren keine Nazis.“ Es sei „unwissenschaftlich“, sie aus heutiger Sicht beurteilen zu wollen. Ortsbürgermeister Klaus Didschies (CDU) sagte, man solle das Strebel-Gutachten „zuklappen“: „Damit wir frei sind.“ Er kenne keinen Klein Hehlener, der eine „entehrende“ Umbenennung wolle, so Didschies. Michael Többens (Unabhängige) sagte, man dürfe sich nicht an „aus dem Zusammenhang gerissenen“ Rommel-Zitaten orientieren. Strebel werde „der Person Rommels nicht gerecht“ – es gebe andere Historiker, die Rommel anders beurteilten.

Ratsherr Jens Rejmann (SPD) empfahl als beratendes Mitglied eine „reflektierte Haltung“: „Sie haben als Politiker eine Verantwortung und müssen sich fragen, wen sie folgenden Generationen als Vorbild hinstellen wollen.“ Rommel und von Stülpnagel seien dafür sicher nicht geeignet.

Ein Bürger benutzte Vokabular, das zu Lebzeiten Rommels geläufig war: So sei es „schäbig“, im Nachhinein „Helden“ verurteilen zu wollen, nur weil sie „einige dunkle Flecken“ auf der Weste hätten. Ein Freund habe ihm gar gesagt, wer die Namen Rommels und Stülpnagels „auslöschen“ wolle, stelle sich „in eine Reihe mit Hitler“.

Es sei im Gegenteil „ein Unglück“, jemanden zu ehren, der eine so prominente „Stütze des Nazi-Regimes“ gewesen sei, hielt Petra Georgi (SPD) dagegen, doch bei der Abstimmung unterlagen SPD und Grüne der Einstimmen-Mehrheit von CDU und Unabhängigen: Rommel und Stülpnagel bleiben den Klein Hehlenern erhalten.

Meinung: Mythen

„Wäre Hitler gestorben, bevor der Weltkrieg begann, dann wäre er als großer Politiker in die Weltgeschichte eingegangen.“ „Man sollte Namen nicht wegeuthanisieren.“ „Jeder hat Leichen im Keller - egal: Ich würde auch in einer Mörderstraße leben wollen.“ Üble Sätze aus dem Publikum wie diese blieben im Ortsrat Klein Hehlen unwidersprochen im Raum stehen. Das Signal, das von dieser Sitzung ausging ist klar: Das, was die Stadtrats-Spitzen dazu bewogen hatte, den Klein Hehlenern die Umbenennung der Rommel- und Stülpnagelstraße nahezulegen, hat der Politik vor Ort nicht gereicht. Fundierte Argumente wurden vom Tisch gewischt. Weder Rommels Aufrufe zu Kriegsverbrechen in Italien noch Stülpnagels Pogrom-Initiativen im Osten reichten aus, um den im Falle des ambivalenten Rommels unbewiesenen Nimbus des Anti-Hitler-Verschwörers verblassen zu lassen. Ortsbürgermeister Klaus Didschies fragte sich vor der Abstimmung, „ob wir hier der Sache gerecht werden können.“ Er hätte fragen sollen, welches politische Zeichen er in die Welt setzt. Wohlwollend formuliert sieht es so aus, als ob der Mythos Rommel noch immer lebt – auf jeden Fall in Klein Hehlen.