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Celle Ortsteile Proteste gegen AfD-Spitzenkandidatin in Lachendorf
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Proteste gegen AfD-Spitzenkandidatin in Lachendorf
22:19 27.08.2017
Von Oliver Gatz
Machen ihrem Unmut Luft: Rund 50 Demonstranten protestieren gegen den Auftritt von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in Lachendorf. Quelle: Michael Schäfer
Lachendorf

„Pfui“ und „Hau ab, AfD“ schallte es Weidel entgegen, als sie den Saal betrat. Die Polizei war vor Ort, um gegebenenfalls einzuschreiten. Doch das war nicht nötig – die Protestkundgebung verlief friedlich.

Der Tannenkrug war gut gefüllt, rund 130 Interessierte kamen nach Lachendorf, um zu hören, was Weidel zu sagen hatte. Die 38-Jährige warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehrfachen Rechtsbruch vor – sei es bei der Euro-Rettung, den Grenzkontrollen oder dem Asylrecht. Das Erste, was die AfD im Bundestag tun werde, sei die Beantragung eines Untersuchungsausschusses. Sollte die Kanzlerin eines Tages abgewählt werden, gehöre „die Privatperson Angela Merkel vor ein ordentliches Gericht gestellt“, forderte Weidel.

Die AfD-Politikerin ging auch mit der Europäischen Zentralbank (EZB) hart ins Gericht, verurteilte die milliardenschweren Ankäufe von Staatsanleihen und die Nullzinspolitik der EZB. Unter Merkel werde es eine Erhöhung der Negativzinsen und eine stufenweise Absenkung der Bargeldobergrenze geben, mutmaßte Weidel, die einen Ausstieg aus dem Euro forderte. „Preise sagen etwas über die Wertigkeit eines Produktes aus“, sagte die Ökonomin. Angesichts von Negativzinsen sei der Euro nichts mehr wert.

Dann brach Weidel noch eine Lanze für den Diesel-Motor, forderte dessen Erhalt bis 2050 und sprach von einer „bescheuerten“ und „irrationalen“ Debatte um Stickoxid-Werte in Städten. Damit werde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie aufs Spiel gesetzt, kritisierte sie. „Das ist unverantwortlich. Und unsere Politiker machen da auch noch mit.“

Schließlich attackierte Weidel die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung – Lieblingsthema der AfD. Die Politik der offenen Grenzen sei „absurd“, sagte sie. Weidel sprach von einer „Erosion der inneren Sicherheit“ und verwies auf Polizeistatistiken, um den Anstieg der Ausländerkriminalität deutlich zu machen. Deutschland und seine Bürger seien einem „marodierenden Mob“ ausgesetzt. „Wer schützt uns denn noch?“, fragte die AfD-Politikerin. Dass Brandanschläge auf Asylbewerberheime ebenfalls deutlich zugenommen haben, erwähnte die gebürtige Gütersloherin mit keinem Wort.

Weidel forderte ein konsequenteres Vorgehen gegen Gefährder und straffällig gewordene Migranten sowie umfassendere Abschiebungen. „630.000 Menschen in diesem Land sind ausreisepflichtig. Und diese Bundesregierung tut überhaupt nichts, um diese Leute abzuschieben.“ Nötig sei eine Novellierung des Asylrechts: „Niemand darf mehr ein Individualrecht auf Asyl haben. Und wir brauchen Kapazitätsgrenzen.“

Nach ihrer 45-minütigen Rede gab es für Weidel viel Applaus. Vor dem Gasthaus war die Stimmung unter den Demonstranten eine komplett andere. Auf den Plakaten standen Sätze wie „Lachendorf ist bunt – nicht braun“, „Menschenrechte statt rechte Menschen“ oder „Hass ist keine Meinung“. Tamara Boche hatte die Kundgebung der AfD-Gegner organisiert. „Besonders stört mich, dass die AfD gegen den Euro und die EU ist. Ich bin der Meinung, dass die EU Deutschland guttut“, sagte die 34 Jahre alte Studentin. Auch Juri Schelechow hielt ein Protest-Plakat in seinen Händen. Der 31-Jährige wurde in Kasachstan geboren und hat viele Verwandte mit russischen Wurzeln in Deutschland. „Ich stehe hier, um ein Zeichen zu setzen – nicht nur für mich und meine Familie, sondern für alle Menschen.“