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Celle Ortsteile Putz-Protest für sauberen Lohn
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Putz-Protest für sauberen Lohn
15:52 26.04.2013
Von Oliver Gatz
Fordern bessere Bezahlung: die Gebäudereiniger bei ihrer Protest-Aktion in der Oberschule Celle I.
Heese

„Wir arbeiten perfekt" steht auf einem der Protestplakate der Gebäudereiniger, die „einen kräftigen Schluck aus der Pulle" fordern – aus der Lohnpulle, versteht sich. In der Oberschule Celle I in der Heese machten die Beschäftigten der Firma Perfekta jetzt ihrem Unmut über die unzureichende Bezahlung Luft. Sie ließen den Dreck einfach liegen.

„Bei den Reinigungskräften hat sich eine Menge Frust aufgestaut", sagt Dirk Eilert von der IG Bau Nord-Ost-Niedersachsen. Solange die Arbeitgeber keine besseren Löhne zahlten, wachse der Groll weiter. Die Gewerkschaft will erreichen, dass das Saubermachen als Handwerk besser bezahlt wird: 70 Cent mehr pro Stunde soll es für die unterste Lohngruppe geben. Und in einer zweiten Stufe noch einmal ein Plus von 65 Cent. Das fordert die IG Bau in der laufenden Tarifrunde.

„Wer putzt, leistet Schwerstarbeit – und das meistens unter einem enormen Zeitdruck. Dazu kommen unmögliche Arbeitszeiten, die in der Regel in aller Herrgottsfrühe beginnen", erläutert Eilert. Außerdem trügen die Beschäftigten Verantwortung – etwa beim Putzen in Laboren oder OP-Sälen. All das müssten die Arbeitgeber am Verhandlungstisch endlich honorieren. „Denn eine Gebäudereinigerin muss von dem, was sie verdient, auch leben können“, so Eilert.

Man werde nicht locker lassen, bis die heimischen Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk ein kräftiges Lohn-Plus erhielten. „Der Putz-Protest in Celle ist erst der Anfang. Die Gebäudereiniger stehen wie eine Eins hinter der Forderung nach mehr Lohn“, gibt sich Eilert kämpferisch.

Wenn es um die Beschneidung von Arbeitnehmer-Rechten geht, fällt die Gebäudereiniger-Branche besonders negativ auf. Von den rund 500 Fällen Rechtsbeihilfe, die die IG Bau im vergangenen Jahr für Beschäftigte in der Celler Region leistete, entfiel der weitaus größte Teil auf Auseinandersetzungen in dieser Branche.

So geben laut IG Bau die Arbeitgeber die Größe der zu reinigenden Fläche falsch an. „Auf einmal schrumpfen die Gebäude. Schulen werden kleiner“, beschreibt der niedersächsische IG-Bau-Regionalleiter Eckhard Stoermer das Vorgehen der Arbeitgeber. Die Folge: Die Reinigungskräfte müssen mehr in kürzerer Zeit leisten. Manchmal scheuen sich die Arbeitgeber auch, Urlaubsgeld oder Überstunden zu bezahlen.

Ein Grund für den Druck auf die Gebäudereiniger könnte der stetig steigende Mindestlohn sein. Beschäftigte in Westdeutschland haben seit dem 1. Januar Anspruch auf neun Euro pro Stunde.