Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Quartier Heese-Nord in Celle: Mammutprojekt in heißer Phase
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Quartier Heese-Nord in Celle: Mammutprojekt in heißer Phase
18:13 23.01.2014
Von Gunther Meinrenken
Das Gebiet des Pilotprojektes "Energetische Stadtsanierung Heese-Nord" beinhaltet die farblich hervorgehobenen Häuser, an das geplante Nahwärmenetz sollen auch noch die Axel-Bruns-Schule und das Hermann-Billung-Gymnasium angeschlossen werden.
Celle

Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif – ganz im Gegenteil. Um auch nur den Ausstoß von CO2 minimal zu verringern, müssen enorme Summen eingesetzt werden, auch auf lokaler Ebene. Das wird jetzt bei dem ehrgeizigen Projekt "Energetische Stadtsanierung Heese-Nord" deutlich. Allein auf die vier beteiligten großen Celler Wohnungsbaugesellschaften würden in den kommenden sechs bis sieben Jahren Investitionskosten von fast 20 Millionen Euro zukommen.

Am vergangenen Mittwochabend hat der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Celle, Ulrich Kaiser, den aktuellen Stand des Pilotprojekts – eines von acht in Niedersachsen, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert werden – der Bevölkerung vorgestellt. Etwa 35 Gäste aus dem Heesegebiet zeigten, dass das Interesse in dem Stadtteil an dem Vorhaben recht hoch ist.

Kaiser stellte zunächst das Klimaschutzkonzept und die Klimaschutzziele der Stadt Celle vor. In der Residenzstadt hat man sich dabei an der Bundesregierung orientiert, die ehrgeizigere Ziele formuliert hat, als die EU festgelegt hat. So möchte man in Celle zum Beispiel bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent reduzieren und bis 2050 den Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Ernüchternder Zwischenstand: Derzeit haben die erneuerbaren Energien insgesamt gerade einmal einen Anteil von 12 Prozent.

Mit dem Projekt in der Heese möchte man in der "Stadt mit Energie" einen weiteren Schritt in Richtung dieses Ziels gehen – auch wenn der Marsch eher im Gänseschritt vorangeht. Das Gebiet umfasst 2400 Einwohner in 12 Straßenzügen, verteilt auf 198 Gebäude und 1346 Wohneinheiten. Dazu hat man noch die Axel-Bruns-Schule genommen und das Hermann-Billung-Gymnasium – mit diesen beiden Schulen könnte das geplante Nahwärmenetz wesentlich wirtschaftlicher betrieben werden.

Durch eine erhöhte Energieeffizienz der Gebäude und der Wärmeversorgung, der Nutzung regenerativer Energien und auch einer klimagerechten Mobilität soll die Heese-Nord zum Vorzeigestadtteil in Sachen Klimaschutz entwickelt werden. Dabei kommt es auch auf die vier großen Wohnungsbausgesellschaften an – die städtische WBB, der Celler Bau- und Sparverein, die Südheide Wohnungsbaubenossenschaft und die Wichmann-Gruppe – die in dem Quartier Wohnblöcke besitzen. Ihre Aufgabe: Die energetische Sanierung der Gebäudehüllen. Geschätztes Kostenvolumen: 20 Millionen Euro.

Als favorisierte Energiequelle schlägt das mit den Voruntersuchungen betraute Büro Kirchner energeo einen Geothermieanlage mit einer Bohrtiefe von 2700 Metern vor. Trotz des hohen Investitionsvolumens von etwa 30 Millionen Euro soll dies die langfristig wirtschaftlichste Variante sein. Ernüchterndes Zwischenfazit von Kaiser: "Wenn alle diese Maßnahmen greifen, werden wir für Celle den CO2-Ausstoß um noch nicht einmal einen Prozent reduzieren."

Unter den Zuhörern machte man sich Sorgen um eine soziale Verdrängung nach der Sanierung oder fragte nach, ob man sich auch als privater Hausbesitzer an das Wärmenetz ankoppeln könnte. Die Wohnungsbaugesellschaften interessierten sich eher für den Zeitrahmen, schließlich müssen sie für ihren Bestand Modernisierungsentscheidungen treffen. Kaiser: "In den kommenden zwölf Monaten sollten Gespräche mit Investoren und Projektentwicklern folgen".