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Celle Ortsteile Rätselraten über Risse in Celler Gebäuden
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Rätselraten über Risse in Celler Gebäuden
17:50 08.04.2016
Von Michael Ende
Der "Silbersee" ist ein mit Wasser vollgelaufenes Loch, in dem einst Material für die Ziegelherstellung abgebaut wurde. Quelle: Thomas Brandt
Vorwerk

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Vorsitzende des Tierschutzvereins Celle, Birgit Stephani. Via Facebook hatte Stephani, die wegen Verwerfungen innerhalb des Vereinsvorstandes ihren Vorsitz mittlerweile niedergelegt hat, mitgeteilt, dass auf dem Gelände des Tierheims mysteriöse Bauschäden zu beobachten seien. Sämtliche Gebäude, die über 20 Jahre alt seien, wiesen plötzlich Risse auf - und die Risse würden immer mehr, so Stephani im Internet. Sie vermutete, dass das mit dem ehemaligen Bodenabbau am heutigen „Silbersee“ zu tun haben könnte - zumal auf dem Gelände auch noch „Schürfrechte aus grauen Vorzeiten“ lasteten. Mittlerweile sei auch auf dem Tierheim-Rasen eine „Kuhle“ aufgetaucht, die vorher nicht da gewesen sei. Gutachter hätten einen ersten Blick auf die Risse geworfen und keine akute Gefährdung attestiert. Die Experten hätten gesagt, man sollte sich umhören, ob es auch in der Nachbarschaft Schäden gegeben habe. Das tat Stephani per Facebook.

Wie bei Facebook üblich, schossen sofort Spekulationen ins Kraut. Eine Frau berichtete sogar, sie habe in ihren Büro am Wilhelm-Heinichen-Ring ein Erdbeben gespürt: „Alles wackelte.“ Einer orakelte über „unterirdische Bäche“, ein anderer Nutzer wies auf den Kali-Bergbau hin: „Die ganze Gegend ist durchlöchert.“ In alten Stollen könne man theoretisch „von Hannover über Wathlingen bis Höfer zu Fuß gehen.“ Ist das einen Spur? In ehemaligen Bergbaugebieten kann es Gefährdungen durch Erdsenkungen geben, die allmählich oder auch plötzlich auftreten können. Die Bandbreite reicht über Krater, die sich plötzlich auftun, allmähliche Senkungen mit Schäden an Gebäuden bis hin zu Erdbeben, die durch zusammenstürzende Stollen und Strecken entstehen.

Der FDP-Stadtratsfraktionsvorsitzende Joachim Falkenhagen hat sich die Sache vor Ort angesehen. „Bei einem Besuch im Tierheim wurden mir Rissbildungen in allen baulichen Anlagen gezeigt“, heißt es in einer Rats-Anfrage, die Falkenhagen jetzt an die Verwaltung richtet. Er möchte von den Experten im Rathaus wissen, ob ein früherer Bodenabbau die Ursache für die jetzt aufgetretenen „Erscheinungen“ sein könnte.

„Die beobachteten Risse an den Vorwerker Häusern und ihre vermeintlichen Ursachen sind ein sehr komplexes Thema, dessen Aufarbeitung eine Weile dauern wird“, sagt der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. Antworten auf Falkenhagens Fragen habe man noch nicht

Im Bereich Vorwerk habe kein Bergbau stattgefunden, sagt auf CZ-Nachfrage Björn Völlmar, Pressesprecher des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) im Geozentrum Hannover, wo man weiß, dass im „Silbersee“-Bereich einst Ziegelrohstoffe abgebaut wurden: "Der Baugrund im Bereich des Tierheims besteht nach den uns vorliegenden Informationen aus schluffigen, lehmigen Sanden, die zum Teil kiesig, zum Teil steinig sind. Nördlich der Gebäude kommen auch Auelehme vor. Die Sande sind in der Regel gut tragfähig, Setzungen sind entsprechend der Gebäudelasten nur in geringem Umfang und nur unmittelbar nach Errichtung von Gebäuden zu erwarten.“

Gäbe es eine Gefahr, dann würde Vorwerks stellvertretender Ortsbürgermeister Gerd Knoop (CDU) in ihr schweben, denn seine Adresse lautet „Zum Silbersee 2“. Doch Knoop bleibt locker: „An meinem Haus gibt es keine Risse.“ Er vermutet ganz profane Gründe für die Risse im Tierheim: „Ich schätze mal, dass die Fundamente der alten Gebäude nicht so super sind. Aber das ist natürlich nur eine Mutmaßung.“

Michael Ende