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Celle Ortsteile Relikte der Briten-Ära für den guten Zweck in Celle verkauft
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Relikte der Briten-Ära für den guten Zweck in Celle verkauft
17:16 24.06.2016
Bei einem Garagenflohmarkt inder Blumlage konnten sich Cellerein Souvenir aus der Britenzeit sichern:Marie Danelski präsentiert gut erhaltene englische Secondhand-Vorhänge. Quelle: Michael Schäfer
Celle

Aber wie hinter so vielem, was secondhand angeboten wird, steckt eine Geschichte auch hinter den Vorhängen, die Marie Danelski anbietet: „Mir tat es leid, als ich sah, dass die Gardinen aus den Wohnungen in der Beethovenstraße im Sperrmüll lagen.“ Bis zum Abzug der britischen Streitkräfte zierten sie in der Klein Hehlener Siedlung die Dienstwohnungen der Militärangestellten. Die Heimtextilien gehörten zur Ausstattung und durften daher bei der Übernahme durch die Bundesvermögensstelle nicht mitgenommen werden. Marie Danelski rettete sie vor dem Schicksal, beim Neubezug entsorgt zu werden, indem sie per Postwurfsendung einen Aufruf startete, die Vorhänge bei ihr abzugeben, um sie im Anschluss gegen Spenden für wohltätige Projekte in Celle zu verkaufen. Der Aufruf stieß auf gute Resonanz.

„Kistenweise lagerten sie hinter meinem Sofa“, erzählt die Cellerin, die lange in Großbritannien lebte und etwas über hat für die britische Kultur. Nicht unmittelbar auf den zweiten Blick, sondern beim In-die-Hand-Nehmen und sehr genauem Draufschauen offenbaren die gemusterten Textilien dann auch etwas über diese. Der Stoff ist hochwertig und besonders gewebt. Die reine Baumwolle wurde, wie das Etikett „Made in England“ zeigt, auf der Insel verarbeitet – eine Referenz an die jahrhundertealte englische Tradition der Textilherstellung.

Die "Nato-Code-No" hingegen weist sie als Relikt der jüngeren Vergangenheit aus, der britischen Militärpräsenz in Celle und Umgebung – eine Ära, die erst kürzlich zu Ende gegangen ist, während etwas Neues bereits im Entstehen war. „Ich hatte an deutsche Liebhaber von besonderen Gardinen gedacht“, resümiert Danelski zum Abschluss des Flohmarktes. Diese kamen auch, aber nicht allein, sondern in Begleitung der neuen Bewohner der einstigen Britenhäuser in Klein Hehlen aus dem Irak und Syrien. „Das hat mich dann ganz besonders gefreut“, ergänzt Danelski, während sie die leeren Kartons ins Auto stellt.

Von Anke Schlicht